Im Februar fand ich Chinas Roboter-Vermietung clever. Jetzt zeigt genau dieser Markt, was die Roboter nicht können
Im Februar habe ich über Chinas Vermietungsboom für Humanoide geschrieben und das Modell ziemlich clever gefunden. Roboter für Hochzeiten, Messen, Firmenevents, gebucht wie ein Mietwagen, jede Miete sammelt nebenbei Betriebsdaten. Trainingsdaten-Gold, habe ich es genannt. Vier Monate später hat sich CNN den gleichen Markt angesehen, und der Befund zwingt mich, einen Teil dieser Einschätzung zu korrigieren.
Das Modell wächst weiter, daran lag ich nicht falsch. AgiBot hat eine eigene Vermietungstochter namens Sharebot gegründet und schätzt, dass der Mietmarkt bis Ende 2026 auf 1,5 Milliarden Dollar wachsen könnte. Die Preise sind im freien Fall, was die Nachfrage weiter antreibt. Im Frühjahr 2025 kostete ein Humanoid für ein Firmenevent zwischen 10.000 und 20.000 Yuan pro Tag. Im März 2026 listet JD.com einen Unitree-Humanoiden, inklusive Ingenieur vor Ort, ab 1.796 Yuan. Das ist ein Preissturz von rund 80 Prozent in zwölf Monaten.
Genau dieses Detail, das beiläufig in der Preisangabe steckt, ist die ganze Geschichte. Inklusive Ingenieur vor Ort.
Der Mensch ist nicht im Paket, weil es nett ist
Fast jeder vermietete Roboter kommt mit einem menschlichen Operator. Manchmal mit mehreren. Nicht weil der Kunde Service wünscht, sondern weil der Roboter ohne den Menschen nicht funktioniert. In den meisten Einsätzen steuert eine Person den Roboter in Echtzeit, weil die autonome Software für die echte, ungeplante Umgebung nicht ausreicht.
Das ist der Punkt, an dem die choreografierten Videos und die Realität auseinanderfallen. In den viralen Clips macht ein Unitree-H1 einen Backflip oder eine Gruppe G1 tanzt synchron. Auf einer echten Hochzeit, in einer echten Lobby, in einem echten Lager steht derselbe Roboter und braucht jemanden, der ihn führt. Der Mietmarkt entlarvt das, weil dort nicht das Marketing zählt, sondern ob das Ding den Tag übersteht, ohne dass der Kunde sich beschwert.
CNN benennt die Schwachstellen konkret. Dexterous manipulation, also das zuverlässige Greifen und Handhaben beliebiger Objekte, ist weiterhin tief ungelöst. Navigation in der echten Welt ohne vorab kartierte Umgebung ist unzuverlässig. Auf unebenem Boden stolpern die Geräte. Die menschliche Interaktion ist begrenzt. Das sind nicht die exotischen Edge-Cases, die jede neue Technologie hat. Das sind die Kernfähigkeiten, die einen Roboter überhaupt erst nützlich machen.
Warum das die ehrlichste Quelle der Branche ist
Eine Demo ist eine kontrollierte Aussage des Herstellers. Ein Mietmarkt ist eine unkontrollierte Aussage von Tausenden Kunden, die echtes Geld bezahlt haben und enttäuscht sind, wenn der Roboter nicht liefert. Das macht den Mietmarkt zur ehrlichsten Datenquelle, die wir gerade haben.
Genau das ist die Verbindung zur Demo-Falle, die hier das wiederkehrende Thema ist. Und es ist die praktische Bestätigung dessen, was Yann LeCun in der Sackgassen-Debatte abstrakt behauptet hat. Die Modelle sind zerbrechlich, sobald die Umgebung von den Trainingsdaten abweicht. Auf einer Hochzeit weicht die Umgebung immer ab. Anderes Licht, andere Gäste, andere Tische, ein Kind, das dem Roboter in den Weg läuft. Genau dort braucht es den menschlichen Operator.
Es wirft auch ein neues Licht auf den chinesischen Sonderaktionsplan, über den ich gerade erst geschrieben habe. China verordnet 10.000 Humanoide im Realeinsatz bis Jahresende, mit dem expliziten Ziel, von der Demo-Logik zur Aufgaben-Logik zu kommen. Der Mietmarkt zeigt, warum dieser Plan überhaupt nötig ist. Die Lücke zwischen Demo und Aufgabe ist real, und sie ist groß. Der Staat versucht sie mit einem Erlass zu schließen. Der Markt zeigt gleichzeitig, wie weit der Weg noch ist.
Die Bubble-Frage
CNN spricht aus, was in China bisher selten laut gesagt wurde. Der Mietmarkt zeigt erste Anzeichen von Abkühlung, die anfängliche Aufregung lässt nach, und es gibt Sorgen vor einer Branchenblase. Ein Satz aus dem Bericht ist besonders bemerkenswert. Die Branche sei bis zu einem gewissen Grad bewusst hochgespielt worden, um eine Geschichte darüber zu erzählen, wie stark China bei aufkommender Technologie ist.
Das ist eine ungewöhnlich direkte Aussage über chinesische Tech-Selbstdarstellung, und sie passt zu dem, was man als nüchterner Beobachter ohnehin vermutet hat. Die endlosen Tanz- und Kampfsport-Videos, die Frühlingsgala-Auftritte, die Boxligen, all das erzählt eine Geschichte von Stärke. Der Mietmarkt erzählt die Geschichte der Rechnung, die danach kommt.
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