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    Roboter und Robotik

    Figure lässt drei Roboter 50 Stunden allein laufen

    Steffen WansorSteffen WansorMai 18, 20264 Minuten Lesezeit
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    Figure hat einen Live-Stream gestartet, der auf den ersten Blick wie ein Marketing-Stunt aussieht und auf den zweiten Blick eine sehr konkrete Positionierung in der Autonomie-Debatte ist. Drei Figure 03 mit Helix-02 sortieren live im Stream Pakete. Nicht zehn Minuten. Nicht acht Stunden. Über 50 Stunden, in Relais-Rotation, ohne menschlichen Eingriff.

    Bloomberg hat darüber berichtet, weil CEO Brett Adcock sich auf die Aussage festnagelt: kein Teleop, keine externen Eingriffe, alles aus dem Helix-02-Modell. Die Roboter heißen Gary, Bob und Frank. Sie scannen Barcodes, drehen Pakete mit dem Barcode nach unten und schicken sie auf das Band. Adcock sagt, ein menschlicher Sortierer braucht im Schnitt drei Sekunden pro Paket. Figure liege jetzt nah an dieser Geschwindigkeit. Über 28.000 Pakete sind in der ersten Phase durchgelaufen, am Ende sollen es laut Reporting weit über 33.000 sein, ohne dokumentierten Roboterausfall.

    Das ist eine sehr andere Erzählung als die meisten Humanoid-Demos im Wohnzimmer-Format. Bei vielen Konkurrenten geht es um VR-Brillen, Tele-Operator-Verträge und das Versprechen, dass aus den Trainingsdaten in einigen Jahren echte Autonomie wird. Bei Figure stellt man drei Roboter in eine Halle und macht den Stream auf. Wer Tele-Op sehen will, soll bitte hinschauen.

    Glaube ich Adcock zu 100 Prozent? Nein. Ein Stream ist ein guter Test, kein neutraler. Figure entscheidet, was im Bild ist, wie die Kameras stehen, wann der Stream beginnt und endet. TechRadar und andere haben sofort darauf hingewiesen, dass eine echte Verifikation ohne externe Beobachter schwierig bleibt. Auch die Wahl der Aufgabe ist günstig. Pakete sortieren ist repetitiv, vorhersehbar und gut beleuchtet. Sehr weit weg vom Wohnzimmer mit Hund, Kind und herumliegenden Socken.

    Trotzdem ist der Schritt nicht klein. Helix-02 läuft als ein einziges Modell für Wahrnehmung, Bewegung und Greifen. Adcock beschreibt das System als unified network: Sehen, Tasten, Körpergefühl, Ganzkörperkontrolle, alles in einem Netz. Das ist die gleiche Architektur, die in den Bett-Machen-Demos zum Einsatz kommt, in den Kleider-Sortieren-Videos, in den BMW-Pilotanwendungen. Wenn dieses eine Modell wirklich 50 Stunden saubere Arbeit liefert, ist das die ehrlichste Antwort, die Figure auf die Tele-Op-Debatte geben konnte.

    Der Kontrast in der Branche ist inzwischen ziemlich klar. Auf der einen Seite Heimroboter-Anbieter, die offen mit Tele-Operation arbeiten und Käufer als Mit-Trainer behandeln. Auf der anderen Seite Industrie-Roboter, die in Lagerhallen ohne Aufsicht laufen sollen, bevor sie irgendwann in Häuser gehen. Beide Strategien können funktionieren. Sie funktionieren aber auf unterschiedliche Weise und auf unterschiedlichen Zeitachsen. Wer heute über Heimroboter nachdenkt, sollte verstehen, dass diese beiden Modelle nebeneinander stehen.

    Figure positioniert sich konsequent auf der Autonomie-Seite. Das ist eine bewusste Wette, denn ein 50-Stunden-Stream lässt sich nur dann ehrlich anbieten, wenn das Modell tatsächlich liefert. Genau das macht den Schritt interessanter als die zehnte gerenderte Küchenszene.

    XONOID Fazit

    Der Stream ist Marketing. Aber er ist gutes Marketing, weil er etwas Überprüfbares zeigt. Niemand kann ernsthaft behaupten, 50 Stunden ohne Eingriff seien nichts. Wenn Figure den gleichen Test in einem Wohnzimmer bestehen würde, wäre die Autonomie-Debatte in der Branche weitgehend entschieden.

    Das Problem ist nur, dass Sortieren in einer Halle und Aufräumen in einer Wohnung zwei verschiedene Welten sind. Helix-02 ist offenbar gut genug für strukturierte Aufgaben. Strukturiert heißt: gleiche Lichtverhältnisse, gleicher Bodenbelag, kein Hund, der zwischen die Beine rennt, kein Kind, das eine LEGO-Burg vor dem Roboter aufbaut.

    Was ich aus dem Stream mitnehme, ist nicht, dass Figure die Konkurrenz geschlagen hat. Es ist, dass die Branche langsam aufhört, ausschließlich gerenderte Versprechen zu liefern. Adcock zeigt Roboter, die über Tage hinweg etwas tun. Andere zeigen Pläne, wie man von Tele-Op zu Autonomie kommt. Beide Linien sind weiter als noch vor einem Jahr.

    In Star Wars hatte R2-D2 nie einen externen Operator mit VR-Brille Helix-02 ist nicht R2. Aber 50 Stunden Paketsortieren sind näher dran als die meisten Demos, die wir bisher gesehen haben.

    Quellen

    • Bloomberg: Figure AI Humanoid Robots Sorted Packages for 50 Hours Nonstop
    • TechRadar: Figure AI streamed humanoid robots sorting packages for 8 hours straight
    Brett Adcock Figure Helix
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    Steffen Wansor

      Sci-Fi hat mich früh geprägt. Nicht als Spektakel, sondern als Idee vom Alltag mit Maschinen. Auf XONOID schreibe ich über Heimroboter, KI und die leise Zukunft dazwischen.

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