Während alle über humanoide Roboter mit Beinen reden, und der erste Roboter schon bald erhältlich ist, baut ein Startup aus Kalifornien einen Haushaltsroboter auf Rädern. MEMO von Sunday Robotics rollt statt zu laufen, hat Zangen statt Hände, und wird von echten Menschen in echten Haushalten trainiert
Was MEMO ist
MEMO sieht nicht ganz so futuristisch aus wie die anderen. Er bewegt sich nicht wie ein Mensch. Aber er soll die gleichen Aufgaben erledigen: Tische abräumen, Spülmaschine einräumen, Socken falten und Kaffee kochen.
Die Specs
| Spec | Wert |
|---|---|
| Höhe | 1,70 m |
| Gewicht | 77 kg |
| Bewegung | Räder (keine Beine) |
| Reichweite | Boden bis 2,10 m (teleskopierbare Wirbelsäule) |
| Greifer | Dual-Zangen (keine 5-Finger-Hände) |
| Akku | 4 Stunden Laufzeit |
| Schnellladen | 80 % in 1 Stunde |
| Material | Weiche Polymer-Mischung |
Was ihn anders macht: Die Trainingsmethode
Hier wird es für mich als Tech-Fan richtig interessant. Die meisten Roboterfirmen trainieren ihre KI durch Teleoperation: Ein Mensch steuert also den Roboter fern und die Bewegungen werden aufgezeichnet. Das ist teuer, denn solch ein Teleoperations-System kostet rund 20.000 Dollar.
Sunday Robotics macht es anders. Sie haben sogenannte Skill Capture Gloves entwickelt, die etwa 200 Dollar kosten. Über 500 Menschen in den USA tragen diese Handschuhe in ihren eigenen vier Wänden und führen normale Haushaltsaufgaben durch, während die Handschuhe Bewegungen und Kraftaufwand aufzeichnen.
Das Ergebnis: 10 Millionen echte Haushalts-Episoden als Trainingsdaten. Keine Simulation, keine ferngesteuerten Roboter, sondern Daten aus dem richtigen Leben.
Wer dahinter steckt
Tony Zhao, CEO – Stanford-PhD, zuvor bei DeepMind, Tesla und Google X Cheng Chi, CTO Das Team weiß also, wie man KI-Systeme baut. Die Frage ist, ob der unkonventionelle Ansatz – Räder statt Beine, Zangen statt Hände – langfristig funktioniert.
Warum Räder?
Sunday Robotics argumentiert: Beine sind komplex, energiehungrig und fragil. Räder sind stabil, effizient und erprobt. Für einen Roboter, der in der Küche steht und den Tisch abräumt, braucht man keine Beine.
Da ist natürlich was dran. Die Einschränkungen liegen woanders: MEMO kann keine Treppen steigen, keine größeren Hindernisse überwinden und ist in engen, verwinkelten Räumen weniger flexibel als ein laufender Roboter.
Warum Zangen statt Hände?
Fünf-Finger-Hände mit voller Beweglichkeit sind teuer und kompliziert. Die Greifer von MEMO sind auf Griffstärke und Präzision optimiert, nicht auf menschliche Ähnlichkeit.
Das funktioniert gut für Gläser, Teller und Wäsche. Weniger gut für Aufgaben, die echte Fingerfertigkeit erfordern – etwa Knöpfe schließen oder Reißverschlüsse bedienen.
Preis & Verfügbarkeit
| Meilenstein | Status |
|---|---|
| Handgefertigtes Gerät | ~20.000 $ |
| Zielpreis Massenproduktion | Unter 10.000 $ |
| Beta-Programm | Bewerbungen seit Nov 2025 |
| Beta-Start | Ende 2026 (50 Haushalte) |
| Breiterer Marktstart | 2027 / 2028 |
Die „Founding Family Beta“ ist invite-only. 50 ausgewählte Haushalte erhalten nummerierte Geräte.
Meine Einschätzung
Der Ansatz von Sunday Robotics ist clever. Statt zu versuchen, einen Menschen nachzubauen, haben sie gefragt: Was braucht man wirklich, um Haushaltsaufgaben zu erledigen?
Räder statt Beine (stabiler), Zangen statt Hände (robuster), echte Menschendaten statt Simulation (billiger).
Ob das langfristig funktioniert, wird sich zeigen. Die Demo-Videos sind beeindruckend – aber das sind Demo-Videos fast immer.
Was MEMO besonders spannend macht, ist der anvisierte Preis unter 10.000 Dollar. Das wäre deutlich zugänglicher als die 20.000 Dollar von NEO. Ob ein Roboter auf Rädern ohne menschenähnliche Hände dauerhaft genug kann, bleibt offen.
Mein Fazit: Ich würde gern beide in der Küche sehen, bevor ich mich entscheide. Irgendwie sieht er ja doch ganz putzig aus.
Quellen
