Westwood Robotics hat ein signifikantes Update für seinen THEMIS-Humanoiden vorgestellt. Die Gen2.5-Version bringt nicht nur robustere Hardware, sondern vor allem ein neues Betriebssystem namens AOS. Der Clou ist die Fähigkeit, Objekte zu greifen und zu manipulieren, während der Roboter weiterläuft, ohne anzuhalten.
Der Kern des Updates: Object-Centric Vision-Action Model
Das AI-Augmented Humanoid OS basiert auf dem sogenannten OC-VAM, einem Object-Centric Vision-Action Model. Dieses System ermöglicht es THEMIS, Aufgaben in Echtzeit zu planen und auszuführen, ohne zwischen Wahrnehmung und Handlung hin- und herzuschalten. Der Whole-Body Controller hält dabei den Roboter stabil, selbst wenn beide Hände gleichzeitig arbeiten.
Westwood spricht von einer achtfachen Steigerung der Task-Effizienz gegenüber traditionellen Methoden. Das klingt nach Marketing-Sprech, aber der Ansatz ist technisch nachvollziehbar. Bisherige Humanoide müssen meist stoppen, um präzise zu greifen. THEMIS Gen2.5 soll das ändern.
Robustere Hardware für den Industrieeinsatz
Die mechanischen Verbesserungen sind konkret messbar. Der Rahmen ist jetzt 40 Prozent widerstandsfähiger gegen Stöße, was für Fabrikumgebungen entscheidend ist. Die sieben Freiheitsgrade pro Arm ermöglichen komplexe Manipulationen, wobei jeder Arm über fünf Kilogramm tragen kann.
Besonders interessant sind die neuen Hüftaktuatoren, die Westwood intern als Mountain BEAR bezeichnet. Sie liefern 20 Prozent mehr Drehmoment als die Vorgänger, laufen aber gleichzeitig 80 Prozent kühler. Das ist keine Kleinigkeit. Überhitzung ist einer der größten Feinde von Humanoiden im Dauereinsatz. Wer die Wärmeabfuhr im Griff hat, kann länger und intensiver arbeiten.
Die BEAR-Aktuatoren als Alleinstellungsmerkmal
Westwood Robotics baut seine gesamte Produktlinie auf den proprietären BEAR-Aktuatoren auf. Die Abkürzung steht für Back-drivable Electromechanical Actuators for Robotics. Diese Antriebe sind nachgiebig, was bedeutet, dass sie bei Kontakt mit Menschen oder Hindernissen nachgeben statt dagegen zu arbeiten.
Die Produktpalette reicht vom Koala BEAR mit 4,2 Nm Drehmoment bis zum Kodiak BEAR mit über 180 Nm. Je nach Anwendungsfall und Gelenk werden unterschiedliche Varianten verbaut. Die optional verfügbare Flüssigkeitskühlung erklärt, wie die Mountain BEAR-Aktuatoren ihre verbesserte Thermik erreichen.
Einsatzszenarien: Vom Haushalt zur Fabrik
Im Demo-Video zeigt Westwood den Roboter bei Haushaltsaufgaben, etwa beim Umgang mit Weingläsern und Flaschen. Die Botschaft ist klar: THEMIS soll nicht nur in Fabriken funktionieren, sondern auch in Umgebungen, die feinmotorische Präzision erfordern.
Das passt zur Positionierung des Unternehmens. Westwood wurde 2018 von ehemaligen Mitgliedern des UCLA RoMeLa-Labors gegründet, einem der renommiertesten Robotik-Forschungszentren der USA. CEO Xiaoguang Zhang bringt akademische Expertise mit, die sich in der technischen Tiefe der Produkte zeigt.
XONOID Fazit
Das Gen2.5-Update zeigt, dass Westwood Robotics einen anderen Weg geht als viele Konkurrenten. Statt immer größere und stärkere Roboter zu bauen, konzentriert sich das Team auf Präzision und Koordination. Die Fähigkeit, während des Gehens zu manipulieren, ist ein echtes Differenzierungsmerkmal, das im Alltag den Unterschied macht.
Mich beeindruckt vor allem das Thermal-Management. Viele Humanoide sehen in kurzen Demos gut aus, überhitzen aber nach dreißig Minuten Dauerbetrieb. Wenn die Mountain BEAR-Aktuatoren halten, was Westwood verspricht, wäre das ein ernstzunehmender Vorteil für industrielle Anwendungen.
Die Konkurrenz schläft allerdings nicht. Boston Dynamics arbeitet an ähnlichen Fähigkeiten für Atlas, und selbst Teslas Optimus zeigt zunehmend komplexere Ganzkörperkoordination. Westwood hat den Vorteil, sich auf hochwertige Aktuatoren spezialisiert zu haben, aber die Frage bleibt, ob die Skalierung gelingt.
Quellen
