Unitree hat am 13. Dezember 2025 etwas angekündigt, das auf den ersten Blick banal klingt und auf den zweiten ziemlich weitreichend ist: einen App Store für humanoide Roboter.
Nicht für Smartphones. Für den Unitree G1.
Die Idee ist schnell erklärt. Fähigkeiten werden nicht mehr fest eingebaut oder per Firmware-Update verteilt, sondern wie Apps installiert. Skill auswählen, herunterladen, fertig. Zumindest ist das das Versprechen.
In dem kurzen Video, das Unitree veröffentlicht hat, geht es weniger um Technik als um ein Konzept. Entwickler sollen Skills bauen. Nutzer sollen sie installieren. Der Roboter lernt neue Dinge, ohne dass Unitree jedes Detail selbst entwickeln muss.
Heute ist das Gegenteil der Fall. Die meisten Humanoiden sind geschlossene Systeme. Was sie können, entscheidet der Hersteller. Neue Fähigkeiten kommen langsam, wenn überhaupt.
Ein App Store dreht das um.
Nicht Unitree bestimmt, was der Roboter lernt. Sondern die Community.
Warum das mehr ist als ein Feature
Der Vergleich mit Smartphones drängt sich auf, ist aber trotzdem hilfreich. Nicht Apple hat Instagram gebaut. Nicht Google hat Uber erfunden. Die Plattform hat es ermöglicht. Bei Robotern ist das bisher nicht passiert. Jeder Hersteller kocht sein eigenes Süppchen. Eigene Software, eigene Updates, eigene Roadmaps.
Ein offenes Skill-Ökosystem würde das ändern. Fähigkeiten könnten sich schneller entwickeln als jede interne Entwicklungsabteilung es könnte. Spezielle Use Cases, Nischenanwendungen und vielleicht auch seltsame Ideen. Dinge, die sich für einen Hersteller nicht lohnen, für einzelne Nutzer aber schon.
Das ist der eigentliche Punkt. Nicht der Store selbst. Sondern die Dezentralisierung von Entwicklung.
Was das für Nutzer bedeuten könnte
Wenn man das Konzept weiterdenkt, macht es tatsächlich Sinn. Heute kaufst du einen Roboter und hoffst, dass er irgendwann mehr kann. Morgen installierst du, was du brauchst. Du musst kein Entwickler sein. Du nutzt, was andere gebaut haben oder baust selbst etwas, das für dich persönlich einen Nutzen hat.
Und für Entwickler?
Unitree wirbt mit Belohnungen für besonders gute Entwickler. Klingt nach einem klassischen Early-Adopter-Programm. Wichtig ist aber dass die technische Basis da ist. Der G1 läuft auf Standard-Hardware. NVIDIA Jetson Orin. Unitree experimentiert offen mit Imitation Learning. Es gibt bereits Open-Source-Bausteine wie UnifoLM.
Theoretisch kann jemand einen Skill per Teleoperation aufnehmen, trainieren und im Store veröffentlichen. Ohne Teil des Unitree-Teams zu sein. Ob das in der Praxis so reibungslos funktioniert, ist eine andere Frage. Aber die Richtung ist klar.
Die unbequemen Fragen, die noch unbeantwortet bleiben
Ein App Store für Roboter wirft sofort Probleme auf, die man von Smartphones kennt, nur mit mehr Konsequenzen.
Wer prüft, ob ein Skill sicher ist?
Was passiert, wenn ein Community-Skill Schaden verursacht?
Wie wird Hardware-Kompatibilität gelöst?
Und vor allem: Können Entwickler damit Geld verdienen?
Ohne Monetarisierung wird es keine nachhaltige Entwickler-Community geben. Und ohne Qualitätskontrolle wird es gefährlich. Ein Roboter ist kein Telefon. Fehler können physische Folgen haben.
Software wird der eigentliche Wettbewerb
Je länger man sich mit Humanoiden beschäftigt, desto klarer wird: Hardware konvergiert. Sensoren, Motoren, Aktuatoren werden vergleichbar. Der Unterschied entsteht in der Software. Tesla geht den komplett geschlossenen Weg. Figure ebenfalls. 1X ist irgendwo dazwischen.
Unitree geht einen anderen Weg. Offen, community-getrieben, risikoreich. Entweder das scheitert spektakulär. Oder es setzt einen Standard.
Meine Einschätzung
Das hier ist keine perfekte Ankündigung. Es fehlen Details. Es fehlen Regeln. Es fehlen Antworten auf wichtige Fragen. Aber die Richtung gefällt mir!
Unitree baut nicht nur einen Roboter. Sie versuchen, ein Ökosystem zu bauen. Und das ist deutlich ambitionierter als noch ein bisschen bessere Greifer oder ein paar Prozent mehr Laufgeschwindigkeit.
Ein App Store mit zehn Skills ist Spielerei. Einer mit tausenden verändert den Markt. Ob Unitree diese kritische Masse erreicht, wissen wir erst in ein paar Monaten. Aber die Idee ist richtig. Und sie ist früh.
Wenn das funktioniert, reden wir bald weniger über Roboter-Hardware. Und mehr darüber, welche Apps dein Roboter installiert hat.
Quellen
