Der H2 schlägt Sandsäcke, der G1 diskutiert auf CNBC über KI, und ein 7-Milliarden-IPO steht im Raum. Alles Schlagzeilen rund um Unitree in den vergangenen Tagen und Wochen. Unitree kam mit Momentum zur CES 2026. Das chinesische Unternehmen zeigte nicht nur sein gesamtes Humanoid-Lineup, sondern auch den neuen H2 als vollwertigen Industrieroboter und machte mit einer Live-Boxvorführung Schlagzeilen.
Der neue H2 im Detail
Der H2 ist Unitrees erster Humanoid in Erwachsenengröße. Mit 180 cm Höhe und 70 kg Gewicht spielt er in einer anderen Liga als der kompakte G1. Die Specs zeigen, dass Unitree den Sprung von Forschungs-Spielzeug zu Industrie-Tool ernst meint.
Der Roboter verfügt über 31 Freiheitsgrade, verteilt auf Beine, Arme, Taille und Kopf. Die Beine haben jeweils 6 DoF, die Arme 7 DoF, dazu kommen 3 DoF in der Taille und 2 im Kopf. Im Vergleich zum früheren R1 mit 26 Gelenken ist das ein deutlicher Sprung nach oben. Jedes Gelenk liefert bis zu 360 Newtonmeter Drehmoment, genug für explosive Bewegungen wie Backflips und Sandsack-Schläge. Unitree hat für den H2 sogar eigene Aktuatoren entwickelt.
Die Arme wurden von 4 auf 7 Freiheitsgrade erweitert, die Hände komplett überarbeitet für bessere Fingerfertigkeit. Das verschiebt den Fokus in Richtung Objektmanipulation und Tool-Handling, also genau das, was Fabriken und Logistikzentren brauchen.
H2 Trainingsvideos zeigen Kampfkraft
Die Trainingsvideos mit dem H2 haben eine andere Qualität als typische Roboter-Demos. Flying Kicks, bei denen der Roboter komplett abhebt. Backflips mit stabilen Landungen. Sandsack-Schläge mit echter Wucht. Die Bewegungen fließen ineinander, ohne Pausen oder Zögern.
Das ist keine Show für YouTube-Klicks. Es demonstriert Balance-Kontrolle, Kraft und die Fähigkeit, den Schwerpunkt bei aggressiven Bewegungen zu managen und sofort wieder zu stabilisieren. Diese Art der Koordination erfordert Echtzeit-Anpassungen über den gesamten Körper.
Natürlich sagt ein Backflip wenig darüber aus, ob ein Roboter acht Stunden oder gar 24/7 in einer Fabrik durchhält. Boston Dynamics’ seriöse, und fast grazile Atlas-Präsentation auf der CES wirkte da deutlich industrietauglicher.
Jen Zhu hat dazu eine passende Aussage auf X gepostet: “Ich hoffe, die neueste Atlas-Demo ist ein Weckruf für alle Humanoid-Unternehmen: Tänze, Kung-Fu und Catwalks bringen uns nicht weiter. Was zählt, ist echter Nutzen und echter Fortschritt.”
Aber zur Erinnerung: Auch Boston Dynamics hat 2017 mit einem viralen Backflip-Video angefangen. Der Weg von der beeindruckenden Demo zum Industrieprodukt ist lang, aber er muss irgendwo beginnen. Nicht falsch verstehen, ich liebe alles daran… aber ein H2 der mir das perfekte Spiegelei mit Bacon brät und serviert würde mich noch mehr beeindrucken. Nichtsdestotrotz sind solche Einlagen schön anzusehen und unterstreichen die unfassbare Beweglichkeit und das, was heute in der Robotik möglich ist.
Teleoperation mit Apple Vision Pro
Unitree zeigte auch das erweiterte Teleoperations-System. Menschliche Operatoren steuern den H2 in Echtzeit über Wearable-Rigs oder Mixed-Reality-Setups, darunter Apple Vision Pro. Jede Session ist gleichzeitig produktive Arbeit und wertvolle Trainingsdaten für das Machine Learning. Dieser Ansatz beschleunigt die Entwicklung massiv. Statt monatelanger Programmierung fließt menschliche Intuition direkt in die Roboterbewegungen. Was heute per Teleoperation funktioniert, wird morgen autonom ausgeführt.

Das Lineup auf der CES
Unitree zeigte drei Humanoid-Modelle:
Der G1 bleibt das Einstiegsmodell. Mit 1,32 m Höhe und 23 Freiheitsgraden ist er der kompakte Allrounder. In den USA verkauft Robostore, der offizielle Vertriebspartner, den G1 in Konfigurationen von 8.990 bis 128.900 Dollar. Diese Roboter werden ausgeliefert. und existieren bereits außerhalb von Forschungslaboren.
Der R1 wurde im Juli 2025 als Budget-Alternative zwischen G1 und H2 eingeführt. Er richtet sich an Forschungseinrichtungen, die mehr Größe brauchen als der G1 bietet, aber nicht das volle Industriepaket des H2.
Der H2 ist das Flaggschiff. Vollwertige Erwachsenengröße, industrietaugliche Specs, eigene Aktuatoren. Er konkurriert direkt mit Boston Dynamics Atlas, Agility Digit und den chinesischen Mitbewerbern wie AgiBot A2.
G1 Boxing: Von der Demo zum Event
Die viralste Aktion auf der CES war die Live-Boxvorführung mit zwei G1-Robotern. In einem kleinen Ring traten sie gegeneinander an, nicht als geskriptete Show, sondern als echtes Kräftemessen.
Unitree hat das Thema professionalisiert. Bereits im April 2025 kündigte das Unternehmen Iron Fist King: Awakening! an, die weltweit erste Livestream-Kampfsport-Veranstaltung mit Humanoiden. Trainingsvideos zeigten G1-Roboter beim Sparring gegen Menschen und gegeneinander.
Auf der CES wurden diese Fähigkeiten live demonstriert. Die Roboter reagierten auf Treffer, versuchten Balance zu halten und standen nach Stürzen wieder auf. Die Bewegungen sind noch langsamer als bei einem menschlichen Boxer und die Reaktionszeit braucht Arbeit. Aber als Demonstration der Robustheit und Balance-Algorithmen war es beeindruckend.
