Auf den ersten Blick wirkt es wie ein klassischer Neujahrs-PR-Moment: Ein humanoider Roboter steht auf einem Tennisplatz und spielt den Ball zurück. Auf den zweiten Blick ist das Video von UBTECH jedoch mehr als ein Gag. Es ist ein bewusst gesetztes Signal dafür, wie weit industrielle Humanoide inzwischen gekommen sind und wie selbstverständlich chinesische Hersteller ihre Systeme inzwischen außerhalb kontrollierter Fabrikumgebungen zeigen.
Der Walker S2, eigentlich für Produktionshallen gebaut, steht plötzlich auf einem Sportplatz. Nicht schnell, nicht spektakulär, aber stabil, präzise und bemerkenswert ruhig
Das am Neujahrstag 2026 veröffentlichte Video zeigt den Walker S2 beim Tennisspielen gegen einen Menschen. Der Roboter verfolgt den Ball, positioniert sich, hält das Gleichgewicht und schlägt kontrolliert zurück. Keine Rallyes, keine Athletik-Show. Aber auch kein Zufall.
UBTECH begleitet das Video mit der typischen Marketingsprache
Vision is not just seeing. It’s reading the future’s trajectory
Das kann man ignorieren. Entscheidend ist aber das Folgende. Ein humanoider Roboter mit fast 75 Kilogramm Körpergewicht bewegt sich sicher in einer offenen, dynamischen Umgebung und interagiert mit einem Objekt, dessen Bewegung nicht vorhersehbar ist. Das ist kein Trickshot. Das ist Kontrolle.
Ein Sportvideo über einen Fabrikroboter
Der Walker S2 ist kein Consumer-Produkt und kein Forschungsprototyp. Er ist ein industrieller Humanoid, der seit Ende 2025 in Serie gefertigt und bereits bei Kunden eingesetzt wird, wie z.B. bei BYD, Foxconn, NIO und FAW-Volkswagen.

Technische Eckdaten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Größe | 170–176 cm |
| Gewicht | 73–77 kg |
| Freiheitsgrade | 52 |
| Hände | 10-Finger-Hände (4. Generation) |
| Traglast Arme | 10–15 kg |
| Laufgeschwindigkeit | bis 7,2 km/h |
| Akkulaufzeit | 2–4 Stunden |
| Batteriewechsel | autonom, ~3 Minuten |
Besonders relevant: Der Walker S2 kann seinen Akku selbstständig wechseln. Ohne Hilfe und ohne Pause, was ihn zu einem echten 24/7-System macht.

Warum ausgerechnet Tennis?
Tennis ist kein sinnvoller Anwendungsfall. Aber es ist ein ehrlicher Stresstest. Denn das, was hier demonstriert wird, ist exakt das, was auch in der Industrie gebraucht wird:
| Fähigkeit | Tennisplatz | Fabrikhalle |
|---|---|---|
| Objektverfolgung | Ball | Werkstück |
| Trajektorienberechnung | Flugbahn | Bewegungsplanung |
| Dynamisches Gleichgewicht | Schlagbewegung | Lastverlagerung |
| Hand-Auge-Koordination | Schlägerkontakt | Greifen & Platzieren |
Der Tennisplatz ist nur die Bühne. Die eigentliche Aussage richtet sich an Industrie-Kunden. Und natürlich an Wettbewerber.
UBTECH kommuniziert hier etwas, das vielen westlichen Herstellern noch fehlt: Gelassenheit. Kein Überversprechen, keine Autonomie-Behauptungen, keine Visionen vom Roboter im Wohnzimmer. Stattdessen ein klarer Subtext -> Dieses System funktioniert. Wir können es uns leisten, damit zu spielen.
Meine Einschätzung
Der Walker S2 wird kein Tennisspieler. Und das muss er auch nicht. Das Video ist kein Versprechen an Konsumenten, sondern ein Statement an den Markt. Es zeigt, dass humanoide Robotik in China eine Phase erreicht hat, in der Hersteller nicht mehr beweisen müssen, dass ihre Systeme laufen, sondern nur noch, wie stabil sie es tun.
Über UBTECH
UBTECH Robotics wurde 2012 in Shenzhen gegründet und zählt zu den etabliertesten Humanoid-Herstellern weltweit. Das Unternehmen entwickelt humanoide Plattformen für Industrie, Bildung und Consumer-Anwendungen. Der Walker S2 ist die industrielle Kernplattform des Unternehmens.
Quellen
