Während große Robotik-Firmen Milliarden in humanoide Alleskönner investieren, entsteht am Rand der Szene etwas völlig anderes. Kein Hochglanz-Produkt, kein Versprechen von Autonomie, kein geschlossener App-Store. Stattdessen ein kleiner, fast sympathisch unperfekter Roboter, den man selbst bauen, verändern und verstehen soll.
Sourccey ist kein Konkurrent für Tesla oder Figure. Er ist eher das, was R2-D2 für die Droidenwelt war: ein Werkzeug, ein Begleiter, ein technisches Objekt mit Charakter.

Sourccey versteht sich als persönlicher Heimroboter auf Open-Source-Basis. Nicht im Sinne eines fertigen Produkts, das man auspackt und sofort benutzt, sondern als Plattform, die zum Mitmachen einlädt. Hardware und Software liegen offen, CAD-Dateien und Code sind öffentlich zugänglich (zumindest coming soon), Weiterentwicklungen ausdrücklich erwünscht.
Technisch bewegt sich Sourccey bewusst eine Nummer kleiner als die großen Humanoiden. Er ist kein bipedaler Butler, sondern ein Desktop- und Heimroboter, der mit etablierten Open-Source-Komponenten wie den SO100-Roboterarmen arbeitet. Der Fokus liegt nicht auf maximaler Leistungsfähigkeit, sondern auf Verständlichkeit, Nachbaubarkeit und Lernkurve.

Lernen durch Vormachen, nicht durch Programmieren
Der vielleicht wichtigste Unterschied zu vielen kommerziellen Systemen liegt im Lernansatz. Sourccey setzt konsequent auf „Lernen durch Demonstration“. Statt abstrakter Programmierung zeigt man dem Roboter, was er tun soll und er versucht, dieses Verhalten nachzuvollziehen.
Das ist keine Magie, sondern ein bewusst gewählter, pragmatischer Weg. Der Roboter wird nicht allwissend ausgeliefert, sondern lernt schrittweise, angepasst an die Umgebung und die Person, die mit ihm arbeitet. Genau das macht ihn interessant für Bildung, Forschung und Maker-Kultur – und ehrlich gesagt auch für alle, die Robotik nicht nur konsumieren wollen.
Unter der Haube nutzt Sourccey moderne, aber zugängliche Technologien. Das KI-Framework basiert auf Lerobot aus dem Hugging-Face-Ökosystem, ergänzt um Sim-to-Real-Ansätze, die das Training vereinfachen. Die Desktop-App ist Tauri-basiert, die Kalibrierung in den Workflow integriert, die Netzwerk-Einrichtung bewusst niedrigschwellig gehalten.
Im Dezember 2025 hat das Projekt spürbar an Reife gewonnen. Der Setup-Prozess wurde vereinfacht, Kalibrierungs-Tools verbessert und ein Access-Point-Modus ergänzt, der den Einstieg deutlich erleichtert. Besonders spannend: Ein Testlauf auf einem Universitätscampus zeigt, dass Sourccey nicht nur als Bastelprojekt gedacht ist, sondern reale Einsatzszenarien im Blick hat.
Für wen dieser Roboter wirklich gedacht ist
Sourccey richtet sich nicht an Menschen, die einen perfekten Haushaltshelfer suchen. Er richtet sich an diejenigen, die verstehen wollen, wie Robotik funktioniert – oder die es lernen möchten.
Studierende bekommen ein greifbares Lernobjekt, Entwickler eine transparente Codebasis, Maker und Hobbyisten ein Projekt, das sich erweitern lässt, und Forschende ein System ohne versteckte Einschränkungen. Interessant ist auch der integrierte Kiosk-Modus, der auf mögliche Einsätze als Informations- oder Demo-Roboter in öffentlichen Räumen hindeutet.
Meine Einschätzung
Sourccey ist kein Roboter für die breite Masse. Aber er ist ein wichtiges Gegengewicht in einer Branche, die sich zunehmend auf geschlossene Systeme und große Versprechen konzentriert.
Dieses Projekt erinnert daran, dass technologische Fortschritte nicht nur in Fabriken und Venture-Decks entstehen, sondern auch dort, wo Menschen Dinge selbst bauen, auseinandernehmen und neu zusammensetzen. In dieser Hinsicht ist Sourccey weniger ein Produkt als eine Einladung.
Die großen Humanoiden bekommen die Schlagzeilen. Projekte wie Sourccey sorgen dafür, dass in zehn Jahren noch Menschen da sind, die wissen, wie man sie versteht.
Quellen
