Gestern haben Humanoid, ein britisches Robotik-Startup, und Schaeffler, einer der größten deutschen Automobilzulieferer, eine fünfjährige strategische Partnerschaft angekündigt. Hunderte Roboter sollen in Schaeffler-Werken zum Einsatz kommen. Dazu gemeinsame Entwicklung von Actuatoren.
Was beinhaltet der Deal?
Die Partnerschaft ist breiter angelegt als typische Pilotprojekte. Drei Säulen:
Erste Phase (2026-2027): Beta-Roboter kommen in Schaeffler-Werke zum Testen. Fokus auf technische Integration, Sicherheit, IT-Compliance. Gemessen wird nach klaren KPIs: Performance, Effizienz, Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit, Wartbarkeit, Integrationsaufwand.
Zweite Phase (Gamma): Nach erfolgreicher Validierung bietet Humanoid seine Roboter im Robot-as-a-Service-Modell (RaaS) an. Später sind auch klassische CapEx-Käufe möglich.
Actuator-Partnerschaft: Schaeffler wird bevorzugter Lieferant für Gelenkantriebe in Humanoids Plattform. Die Unternehmen wollen gemeinsam Next-Generation Aktuatoren entwickeln.
Dazu kommt Datensammlung: Teleoperation, synthetische Daten, Use-Case-spezifische Informationen. Alles fließt ins Training der KI-Modelle, die dann wiederum auf Schaefflers Anforderungen optimiert werden.
Schaeffler ist nicht irgendein Kunde. Der Konzern mit Sitz in Herzogenaurach ist einer der wichtigsten Zulieferer für die Automobilindustrie. Wälzlager, Linearsysteme, Antriebstechnik – das sind genau die Komponenten, die Humanoide für präzise Bewegungen brauchen.
Klaus Rosenfeld, CEO von Schaeffler, formuliert es so:
Als Motion Technology Company wollen wir eine Schlüsselrolle im wachsenden Markt für humanoide Roboter spielen. Dabei setzen wir auf unsere jahrzehntelange Fertigungsexzellenz und Industrialisierungs-Expertise
Das ist ein Signal. Schaeffler positioniert sich nicht nur als Kunde, sondern als Technologiepartner.
Wer ist Humanoid?
Humanoid wurde 2024 von Artem Sokolov gegründet und hat Büros in London, Boston und Vancouver. Über 200 Ingenieure und Forscher arbeiten an zwei Produktvarianten: HMND-01 Alpha Wheeled (radbasiert) und Alpha Bipedal (zweibeinig).

Ihre Technologieplattform heißt KinetIQ und basiert auf VLM (Vision-Language Models) und VLA (Vision-Language-Action). Das ist der gleiche Trend wie bei Figure, 1X oder Physical Intelligence: End-to-End-Modelle, die direkt von Kameradaten zu Motorkommandos kommen.
Humanoid ist damit eines der wenigen europäischen Startups, die ernsthaft im Humanoid-Markt mitspielen wollen. Die Partnerschaft mit Schaeffler gibt ihnen Zugang zu Fertigungs-Know-how und eine echte industrielle Testumgebung.
XONOID Fazit
Ein Win-Win für beide Seiten. Humanoid bekommt einen Anker-Kunden mit Industrieerfahrung und Zugang zu hochwertigen Komponenten. Schaeffler bekommt frühen Zugang zu Robotik-Technologie und kann sich als Zulieferer für eine neue Branche positionieren.
Die klare Struktur überzeugt. Beta-Tests mit messbaren KPIs, dann RaaS, dann CapEx. Das ist realistischer als “wir liefern nächstes Jahr zehntausend Roboter”. Humanoid und Schaeffler wissen, dass Integration in echte Fabriken schwer ist und nehmen sich Zeit.
Quelle
Humanoid – Official Press Release
