Am 1. März wird Honor auf dem Mobile World Congress in Barcelona seinen ersten humanoiden Roboter vorstellen. Das ist bemerkenswert, weil Honor bis vor Kurzem ausschließlich für Smartphones bekannt war. Jetzt folgt das Unternehmen dem gleichen Pfad wie Xiaomi, vom Mobilgerät zum Roboter. Und es ist kein Zufall, dass das auf der größten Mobilfunkmesse der Welt passiert.
Was bisher bekannt ist
Viel verrät Honor nicht, aber ein paar Details sind durchgesickert. Der Roboter soll ein Service-Humanoid werden, gedacht für Szenarien wie Einkaufshilfe und alltägliche Assistenz. Teaser-Bilder zeigen ein mattes schwarzes Design mit zwei Beinen, einer Kamera am Kopf und einem beleuchteten Streifen auf der Brust. Die Proportionen sind menschengroß, die Gelenke bewegen sich flüssig – zumindest in den Rendervideos.
Parallel dazu stellt Honor ein „Robot Phone” vor: ein Smartphone mit KI-gesteuerter Gimbal-Kamera, das offenbar mit dem Humanoiden interagieren soll. Wie genau, bleibt vorerst unklar. Aber die Botschaft ist deutlich: Honor sieht Smartphones und Roboter als Teile desselben Ökosystems.
Das Ganze läuft unter dem Banner „Believers in AI Future” und ist Teil von Honors Alpha Plan – einem Milliarden-Dollar-Investitionsprogramm, mit dem das Unternehmen seine Produktpalette um KI-getriebene Hardware erweitern will.
Warum Smartphone-Hersteller in Robotik drängen
Honor ist nicht der erste. Xiaomi hat bereits mit CyberOne einen Humanoiden gezeigt und investiert massiv in Robotik-Startups wie Xynova. Samsung experimentiert mit Servicerobotern. Die Logik dahinter: Smartphone-Hersteller besitzen drei Dinge, die für Robotik entscheidend sind – massive Lieferketten für Sensoren und Chips, Software-Ökosysteme mit Millionen Nutzern und die Erfahrung, Hardware in riesigen Stückzahlen zu bauen.
Der Smartphone-Markt ist gesättigt. Die Wachstumsraten stagnieren, die Innovationszyklen werden kürzer und die Margen schrumpfen. Wer als nächstes groß werden will, braucht eine neue Produktkategorie. Robotik bietet genau das. Einen Markt, der laut Prognosen bis 2030 zweistellige Milliarden erreichen soll.
Honor will nach eigener Aussage der erste Smartphone-Hersteller unter seinen direkten Wettbewerbern sein, der einen Humanoiden auf den Markt bringt. Das ist ein klarer Seitenhieb auf Xiaomi, die bisher nur Prototypen und Investitionen vorweisen können, aber noch kein fertiges Produkt.
Was ich vom MWC erwarte
Ehrlich gesagt wenig Substanz, viel Inszenierung. Ein Humanoid auf einer Handymesse ist erstmal ein Statement, kein Produkt. Die Frage ist, ob Honor tatsächlich einen funktionsfähigen Roboter zeigt oder nur ein Konzept. Die bisherigen Teaser deuten eher auf Letzteres hin.
Der wichtigste Aspekt an Honors Ankündigung ist nicht der Roboter selbst. Es ist der Trend, den er bestätigt. Chinesische Technologieunternehmen diversifizieren aggressiv in Richtung Embodied AI. Xiaomi, Honor, Alibaba mit RynnBrain – innerhalb weniger Monate hat sich die Robotik von einer Nischen-Disziplin zu einem strategischen Muss für jeden großen chinesischen Tech-Konzern entwickelt.
Ob Honors erster Humanoid mehr als ein Marketing-Moment auf dem MWC wird, bezweifle ich. Ein funktionsfähiger Service-Roboter, der tatsächlich in einem Laden Kunden berät, ist technisch eine ganz andere Liga als ein hübsches Render-Video. Aber darum geht es Honor vermutlich auch nicht. Es geht um das Signal: Wir sind dabei. Wir investieren. Wir kommen.
Was mich mehr interessiert als der Roboter selbst, ist die Verbindung zum Robot Phone. Wenn Honor es schafft, Smartphone und Humanoid zu einem einheitlichen KI-Ökosystem zu verknüpfen – das Telefon als Steuerungszentrale, der Roboter als physischer Agent – dann wäre das tatsächlich ein Ansatz, den reine Robotik-Firmen wie Agility oder Figure nicht bieten können. Die Frage ist nur: kann Honor Robotik, oder kann Honor nur Pressekonferenzen?
Das werden wir am 1. März sehen.
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