Ein Roboter, der Weihnachtsgeschenke einpackt. Papier falten, Schleifen binden, Lametta drapieren. Das klingt erstmal nach Marketing-Gag…und das ist es auch. Aber es ist ein erstaunlich ehrlicher.
Kurz vor Weihnachten hat das britische Startup Humanoid ein Video veröffentlicht, in dem sein humanoider Roboter HMND 01 versucht, ein Geschenk zu verpacken. Kein perfekt geschnittener Tech-Demo-Clip. Kein „Look how flawless our AI is“. Sondern ein bewusst holpriger Versuch, der mehr zeigt als viele Hochglanzvideos der Konkurrenz.
Ein absichtlich unperfektes Video
Der HMND 01 steht vor einem Tisch. Geschenkpapier, Bänder, Lametta. Alles Dinge, die für Menschen trivial sind und für Roboter ein Albtraum.
Das Papier knittert. Die Schleife sitzt schief. Das Ergebnis ist… naja. Funktional und unschön. Fast schon menschlich.
Humanoid spielt bewusst mit dieser Unperfektion. Die Szene erinnert stark an Rowan Atkinsons berühmte Geschenkverpackungs-Szene aus Love Actually. Zu viel Tape, zu viel Lametta, gute Absicht, mäßige Ausführung. Der Witz funktioniert sofort, auch ohne Erklärung.
Warum Geschenkpapier ein Robotik-Härtetest ist
Weiches Material ist die Hölle für Roboter denn Papier verhält sich unvorhersehbar. Es reißt, knickt und reflektiert Licht. Schleifen erfordern Feinmotorik, Kraftdosierung und Timing. Lametta ist im Grunde Chaos in physischer Form.
Wer glaubt, das sei eine Spielerei, übersieht den Kern:
Wenn ein Roboter lernt, mit Papier umzugehen, lernt er auch, mit empfindlichen Bauteilen, Kabeln, Folien oder Verpackungsmaterial in der Industrie zu arbeiten.
Geschenke verpacken ist kein Haushalts-Use-Case für HMND 01. Es ist ein Stellvertreterproblem.
HMND 01 ist kein Heimroboter. Er ist ein klassischer Industrie-Humanoid, gebaut für Fabriken, Logistik und Maschinenbestückung. 1,75 Meter groß, rund 70 Kilogramm schwer, ausgelegt auf wiederholbare, physische Arbeit.
Interessant ist weniger die Hardware, sondern die Software-Schicht dahinter: KinetIQ. Humanoid beschreibt sie als Framework, das Vision-Language-Modelle mit Echtzeit-Handlungsplanung verbindet. Der Roboter soll nicht nur ausführen, sondern während der Aufgabe lernen und sich anpassen.
Ob das wirklich so autonom funktioniert, wie es klingt, lässt sich von außen schwer beurteilen. Aber zumindest das Video zeigt: Es wird nicht einfach eine Bewegungssequenz abgespielt. Der Roboter tastet sich sichtbar heran.
Meine Einschätzung
Ja, das Video ist Marketing. Aber es ist gutes Marketing. Weil es ehrlich ist.
Der HMND 01 wirkt nicht wie ein Wunderwerk. Er wirkt wie ein Roboter, der gerade erst lernt, mit der Welt klarzukommen. Genau so, wie es realistisch ist.
Viel zu viele Robotik-Demos verkaufen Zukunft als Gegenwart. Dieses Video tut das Gegenteil. Es zeigt Grenzen. Und genau deshalb nimmt man dem Team eher ab, dass sie wissen, woran sie arbeiten.
Geschenke verpacken wird HMND 01 nie beruflich tun. Aber wenn er das kann, wird er irgendwann auch Kabel bündeln, Folien handhaben und empfindliche Teile montieren. Manchmal ist ein schief gebundenes Geschenkband überzeugender als jede perfekte Demo.
Quellen
