Lisa Su hatte auf ihrer CES-Keynote einen ungewöhnlichen Gast. Neben den erwarteten Chip-Ankündigungen stand Daniele Pucci auf der Bühne, CEO von Generative Bionics, und mit ihm GENE.01 – der erste Humanoid des italienischen Startups, der etwas an Iron Man erinnert.
AMD ist nicht nur Bühnenpartner, sondern Investor und Technologielieferant. CPUs, GPUs und FPGA-basierte Embedded-Plattformen von AMD treiben den Roboter an.
Generative Bionics verfolgt einen Ansatz, den sie “Physical AI” nennen. Intelligenz entsteht ihrer Meinung nach nicht nur im Prozessor, sondern im Zusammenspiel von Körper, Sensoren und Steuerung. AMD formuliert das als “Body as Compute”. Der Körper wird Teil der Berechnung, Mechanik und KI arbeiten als ein System.
GENE.01 hat eine vollflächige taktile Haut. Ein verteiltes Netzwerk aus Tast- und Kraftsensoren bedeckt den gesamten Körper und erkennt Berührungen und Druckverteilung in Echtzeit. Berührung wird zum primären Informationskanal. Wenn der Roboter “zerbrechlich” hört, verknüpft er das nicht mit einem Datenbank-Eintrag, sondern mit dem Gefühl von Druck auf seiner Haut (Semantic Grounding).

Die Sensorik stammt aus 20 Jahren Forschung am Italienischen Institut für Technologie (IIT) in Genua, das sich inzwischen als Italiens “Robot Valley” etabliert hat. Deren iCub ist ein kindgroßer Forschungsroboter, der untersucht, wie KI durch körperliche Interaktion lernt. Seit 2004 sind 51 Einheiten weltweit in Laboren im Einsatz. Generative Bionics ist der Spin-off, der diese Technologie kommerzialisieren soll mit einem Team von rund 80 Leuten, dem größten in Europa, das sich ausschließlich auf Humanoide konzentriert.
Timeline
GENE.01 ist noch kein fertiges Produkt, sondern ein Konzept. Der Name spielt auf den genetischen Code an, den Bauplan, aus dem künftige Modelle entstehen sollen. Die “.01” ist der Anfang. Produktion startet in der zweiten Jahreshälfte 2026, der richtige Launch kommt Q4. Erste industrielle Pilotprojekte sollen aber schon Anfang 2026 starten. Zielmärkte sind Automotive, Aerospace, Schwerindustrie und Rechenzentren, also überall dort, wo Arbeitskräftemangel auf gefährliche oder monotone Aufgaben trifft.
Meine Einschätzung
Generative Bionics bekommt Sichtbarkeit, AMD positioniert sich als Robotik-Player neben NVIDIA. Ob GENE.01 technisch mit der amerikanischen und chinesischen Konkurrenz mithalten kann, lässt sich anhand einer Keynote nicht beurteilen. Optisch macht er aber schon mal was her und ich denke, dass Tony Stark ihn nicht besser hätte designen können.
Die taktile Sensorik ist ein echter Pluspunkt. Die meisten Humanoiden haben taktile Sensoren in den Fingern. GENE.01 nimmt das auf den ganzen Körper, und das ist selten. Das Semantic Grounding klingt nach dem, was Embodied AI eigentlich sein sollte. Sprache die nicht abstrakt bleibt, sondern physisch verankert wird.
Quelle
