Am 16. Februar 2026 liefen bei der CCTV Spring Festival Gala so viele humanoide Roboter über die Bühne wie nie zuvor. Die Gala ist die meistgesehene Fernsehsendung der Welt. Hunderte Millionen Zuschauer, live, zur besten Sendezeit. Und diesmal waren Unitree, Galbot, Noetix und MagicLab mit dabei. Nicht als Kulisse, sondern als Performer.
Was auf den ersten Blick wie Unterhaltung aussieht, ist bei genauerem Hinsehen etwas anderes: eine nationale Leistungsschau, verpackt als TV-Spektakel.
Was auf der Bühne passierte
Unitree war zum dritten Mal dabei und stellte alles Bisherige in den Schatten. Die G1- und H2-Humanoiden traten in einem Segment namens „WuBOT” auf – Kampfkunst mit Robotern. Was sie zeigten: Tischspringen, 3-Meter-Saltos vom Trampolin, dreieinhalb Drehungen in der Luft, Nunchaku-Routinen und Elemente des „Betrunkenen Faust”-Stils. Die Roboter sparrten sogar mit Kindern. Unitrees Swarm-Control-Technologie koordinierte dabei mehrere Maschinen gleichzeitig, was synchrone Hochgeschwindigkeitsbewegungen ermöglichte. Gegenüber dem Auftritt 2025, bei dem die Roboter eher Statisten waren, ein gewaltiger Sprung.
Galbot ging einen anderen Weg. Ihre G1-Roboter spielten in einem Kurzfilm namens „Die Nacht, die ich nicht vergesse” mit den Schauspielern Shen Teng und Ma Li – zwei der bekanntesten Comedy-Stars Chinas. Die Roboter interagierten per Sprachsteuerung, falteten Kleidung, reichten Wasserflaschen und rollten Walnüsse. Hinter den natürlich wirkenden Bewegungen steckt Galbots eigenes Steuerungsmodell AstraBrain, das End-to-End-Aufgabenplanung und Feinmotorik kombiniert.
Noetix brachte gleich mehrere Modelle auf die Bühne: den N2, den E1, den Bumi und einen bionischen Roboter, der die Schauspielerin Cai Ming imitierte. In einem Comedy-Sketch namens „Omas Liebling” zeigten die Roboter Seitwärtssaltos, Rückwärtssaltos und Präzisionslandungen auf engem Raum. Das ist technisch anspruchsvoll, weil die Bühne kaum Platz für Anlauf bietet und Fehllandungen nicht versteckt werden können.
MagicLab lieferte den vielleicht spektakulärsten Einzelmoment: Der MagicBot Z1 führte einen Thomas 360 aus – eine durchgehende Rotationsbewegung, die laut MagicLab erstmals von einem Humanoid dieser Größe gezeigt wurde. Außerdem tanzten MagicBot-Modelle synchron mit Popstars in einer Song-and-Dance-Nummer mit schnellen Drehungen und verbundenen Sprüngen.
Was das über Chinas Robotik-Industrie verrät
Die Gala ist kein normales TV-Event. Sie ist ein politisches Instrument. Was dort gezeigt wird, ist vom Staat kuratiert. Dass Humanoide 2026 so prominent auftauchen, ist ein Signal: Die chinesische Regierung betrachtet Embodied AI als strategische Priorität. Das steht auch so im neuen Fünfjahresplan, der Embodied AI als „Motor für neues Wirtschaftswachstum” definiert.
Die Zahlen darunter sind beeindruckend. China hat mittlerweile über 140 Hersteller humanoider Roboter und mehr als 330 verschiedene Modelle auf dem Markt. Morgan Stanley hat die Prognose für Chinas Humanoid-Verkäufe 2026 von 18.000 auf 28.000 Einheiten angehoben. Unitree allein plant, 20.000 Stück in diesem Jahr auszuliefern.
In Wuhan hat letzten November Chinas erster 7S Humanoid Robot Store eröffnet – ein Showroom-Konzept nach dem Vorbild von Autohäusern, mit Verkauf, Service, Ersatzteilen, Schulungen und Erlebniszonen. In zwei Monaten kamen 18.000 Besucher. Die Roboter dort kosten zwischen 7.999 Yuan (rund 1.000 Euro) und über 700.000 Yuan. Man kann sie auch mieten.
Unterhaltung oder Demonstration?
Die Frage, die sich stellt: Sind die Gala-Auftritte beeindruckende Technik oder choreografierte Showeinlagen? Die ehrliche Antwort: beides.
Die Saltos und Kampfkunst-Routinen sind real. Die Roboter führen sie autonom aus, mit eigener Balance-Kontrolle und Echtzeit-Anpassung. Aber sie finden unter kontrollierten Bedingungen statt – bekannte Bühne, geübte Routinen, kontrollierte Beleuchtung. Zwischen einem Rückwärtssalto auf einer TV-Bühne und dem zuverlässigen Sortieren von Paketen in einem Lagerhaus liegen noch Welten.
Trotzdem zeigen die Auftritte echten Fortschritt. Noch 2024 konnten die meisten Humanoiden kaum stabil gehen. Jetzt springen sie vom Trampolin und landen sicher. Die Dynamik der Entwicklung in China ist atemberaubend, auch wenn man den Showfaktor abzieht.
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