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    Industrie Roboter

    Boston Dynamics: So lernt Atlas menschliche Arbeit

    Am 4. Januar 2026 zeigte CBS / 60 Minutes eine Reportage über Boston Dynamics. Im Fokus: wie Atlas heute trainiert wird und der erste Test in einer echten Hyundai-Fabrik. Die Trainingsmethoden sind bekannt, aber der Blick hinter die Kulissen bei Boston Dynamics ist selten.
    Steffen WansorSteffen WansorJanuar 5, 20264 Minuten Lesezeit
    Bild: bostondynamics.com
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    Am 4. Januar 2026 zeigte CBS / 60 Minutes etwas, das man von Boston Dynamics so noch nicht gesehen hat. Kein Stunt-Video, kein viraler Clip, sondern ein Blick hinter die Kulissen: Wie der neue elektrische Atlas tatsächlich lernt zu arbeiten. CBS filmte nicht im Labor, sondern im Hyundai-Werk Georgia, wo Atlas bereits autonom arbeitet.

    Vom Labor in die Fabrik

    Im Oktober 2025 wurde Atlas erstmals außerhalb kontrollierter Testumgebungen eingesetzt. In einer neuen Hyundai-Fabrik im US-Bundesstaat Georgia sortierte der Humanoid Dachträger für die Montagelinie völlig autonom und ohne feste Skripte.

    Noch ist das kein regulärer Produktionsbetrieb. Atlas ist nicht fest integriert, arbeitet nicht durchgehend und ersetzt niemanden. Aber der Schritt ist entscheidend:, denn es ist der Übergang von Forschung zu realer Industrieumgebung. Genau hier scheitern viele humanoide Konzepte. Boston Dynamics testet diesen Übergang jetzt bewusst, mit dem Wissen, dass Fehler sichtbar werden.

    Wie Atlas heute lernt.

    Der erste Baustein ist VR-gestützte Demonstration. Ein Mensch trägt ein Headset und steuert Atlas direkt. Hände, Arme, Bewegungsabfolgen. Kevin Bergamin, Machine-Learning-Forscher bei Boston Dynamics, führt dem Roboter Aufgaben vor, so wie man einem Menschen etwas zeigt. Diese Demonstrationen erzeugen Trainingsdaten.

    Der zweite Baustein ist Motion Capture. Bewegungen menschlicher Körper werden aufgezeichnet und auf Atlas übertragen. Nicht eins zu eins, sondern angepasst an seinen eigenen Körperbau. Als 60-Minutes-Reporter Bill Whitaker Hampelmänner vorführt, lernt Atlas nicht die Bewegung an sich, sondern das Prinzip dahinter.

    Die massive Simulation ist der eigentliche Hebel. Tausende virtuelle Atlasse trainieren gleichzeitig. Rutschige Böden, Steigungen, schlechte Balance, blockierte Gelenke. Innerhalb weniger Stunden testet das System mehr Varianten, als ein einzelner Roboter je erleben könnte. Sobald ein Atlas gelernt hat, haben es alle gelernt. Wissen wird zentralisiert, nicht lokal gespeichert.

    Atlas hat dreigliedrige Hände, die sich je nach Aufgabe anpassen können. Ein Finger lässt sich umklappen und wie ein Daumen nutzen. Das ermöglicht sowohl Präzisionsgriffe für kleine Objekte als auch weite Griffe für große. Taktile Sensoren in den Fingern liefern Daten ans neuronale Netz. So lernt Atlas, mit dem richtigen Druck zuzupacken. Aber Kuindersma sagt auch, dass die Kraftsteuerung beim Greifen weiterhin eine Herausforderung ist. Die Teleoperation für feinfühlige Manipulationsaufgaben hat noch Luft nach oben.

    Warum der neue Atlas anders ist

    Der Atlas von 2026 ist nicht nur ein Update. Er ist ein anderer Roboter.

    Hydraulik wurde vollständig durch elektrische Antriebe ersetzt. Der Körper ist schlanker, leiser und effizienter. Die Steuerung basiert nicht mehr primär auf handgeschriebenen Algorithmen, sondern auf lernenden Systemen. Nvidia-Chips übernehmen die schwere Rechenarbeit. Der Fokus hat sich von maximaler Athletik, hin zu kontrollierbarer, wiederholbarer Arbeit verschoben.

    Atlas kann Kopf, Torso und Arme um 360 Grad rotieren. Keine Kabel verlaufen über die Gelenke, was kontinuierliche Drehungen ermöglicht und Verschleiß reduziert. Um sich umzudrehen, muss Atlas nicht wenden sondern einfach den Oberkörper drehen.

    Ehrlichkeit statt Übertreibung

    Bemerkenswert ist die Offenheit, mit der Boston Dynamics über Grenzen spricht. Scott Kuindersma, Head of Robotics Research, sagt klar: Es gibt heute keinen Humanoiden, der alltägliche Aufgaben so gut beherrscht wie ein Mensch. Dinge wie Kaffee einschenken oder sich anziehen bleiben extrem schwierig.

    Aber – und das ist neu – er sagt auch: Man sieht jetzt einen realistischen Weg dorthin.

    Das ist ein wichtiger Unterschied zu vielen Ankündigungen der Branche. Hier geht es nicht um Versprechen für 2026, sondern um Prozesse für die nächsten Jahre. Playter gibt offen zu, dass es gerade einen Hype-Zyklus gibt. Aber während Software schnell vorankomme, brauche der Bau zuverlässiger und bezahlbarer Maschinen Zeit.

    Hyundai meint es ernst

    Dass diese Reportage jetzt erscheint, ist kein Zufall. Hyundai hält rund 88 Prozent an Boston Dynamics. Der Konzern erwartet Ergebnisse. Nicht virale Videos, sondern produktive Systeme.

    Atlas soll dort arbeiten, wo es für Menschen gefährlich, monoton oder körperlich belastend ist. Bei repetitiven Aufgaben, unter Hitze, mit schweren Lasten. Roboter bleiben dennoch abhängig von Menschen, die sie bauen, trainieren und warten.

    Boston-Dynamics-CEO Robert Playter spricht offen über die Konkurrenz aus China. Nicht technisch, sondern strategisch. Die chinesische Regierung investiert massiv in Robotik. Die Gefahr liegt weniger im einzelnen Roboter als in der schieren Skalierung.

    Ausblick: CES 2026

    Laut Mario Bollini (Link zum X-Post), Atlas Product Lead bei Boston Dynamics, wird das Unternehmen auf der CES 2026 eine neue Version von Atlas vorstellen. Details sind noch nicht bekannt.

    Quelle

    CBS News

    60 Minutes Atlas Boston Dynamics Embodied AI Fabrikroboter Humanoid Hyundai Teleoperation VR Training
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    Steffen Wansor

      Sci-Fi hat mich früh geprägt. Nicht als Spektakel, sondern als Idee vom Alltag mit Maschinen. Auf XONOID schreibe ich über Heimroboter, KI und die leise Zukunft dazwischen.

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