Nach Schaeffler jetzt auch Bosch. Das Metzinger Startup NEURA Robotics hat eine strategische Technologie- und Entwicklungspartnerschaft mit dem Gerlinger Konzern angekündigt. Beide Unternehmen stammen aus Baden-Württemberg, beide sehen großes Potenzial in der industriellen Skalierung humanoider Robotik und haben jetzt konkrete Pläne.
Was beinhaltet der Deal?
Die Partnerschaft hat drei Schwerpunkte.
Datensammlung in Bosch-Werken: Mitarbeiter sollen Sensor-Suits tragen, die reale Arbeits-, Bewegungs- und Umgebungsdaten erfassen. Diese Daten fließen direkt ins Training der NEURA-Humanoiden.
Gemeinsame Software-Entwicklung: Bosch und NEURA arbeiten zusammen an KI-basierter Grund- und Funktionssoftware sowie Benutzeroberflächen für Humanoide. Bosch bringt hier seine Erfahrung aus der Industrieautomatisierung ein.
Komponenten und Montage: Bosch könnte langfristig Robotik-Komponenten liefern und bei der Endmontage unterstützen. Details dazu sind noch offen, aber die Richtung ist klar: Bosch will nicht nur Kunde sein, sondern Teil der Wertschöpfungskette.
Neue Bosch-Tochter für Humanoide
Bosch hat im vergangenen Jahr eine eigene Tochtergesellschaft für humanoide Robotik gegründet. Im Rahmen der Partnerschaft sollen dort zunächst etwa 70 Mitarbeiter arbeiten. Bosch betrachtet Humanoid-Robotik demnach nicht als Experiment, sondern als strategisches Geschäftsfeld.
Der Konzern macht über 90 Milliarden Euro Umsatz und ist einer der größten Automobilzulieferer der Welt. Sensoren, Antriebstechnik, Software sind genau die Bausteine, die Humanoide brauchen. Wenn Bosch diese Kompetenzen auf Robotik überträgt, könnte das den Markt verändern.
NEURA sammelt deutsche Industriepartner
Für NEURA Robotics ist das bereits die zweite große Partnerschaft mit einem deutschen Industriekonzern. Bereits im November 2025 wurde eine Kooperation mit Schaeffler bekannt, bei der es um Aktuatoren und Antriebstechnik geht. Jetzt kommt Bosch mit Sensorik und Daten dazu.
Das Auftragsvolumen kann sich sehen lassen. NEURA meldet einen Auftragsbestand von einer Milliarde Euro. Schaeffler allein plant bis 2035 mehrere tausend NEURA-Roboter in seinen Werken einzusetzen und sammelt dort ebenfalls Daten fürs Training.
David Reger hat das Unternehmen 2019 gegründet. Auf der CES 2026 hat NEURA die nächste Generation des 4NE1-Humanoiden und das “Neuraverse”-Betriebssystem vorgestellt, das Roboter auf einer gemeinsamen Plattform verbindet und kollektives Lernen ermöglicht.
XONOID Fazit
Das größte Problem bei Humanoid-Robotik ist nicht die Hardware, sondern die Daten. Roboter brauchen Millionen Beispiele, wie Menschen sich in Fabriken bewegen, wie sie Werkzeuge greifen, wie sie auf unerwartete Situationen reagieren. Diese Daten existieren nicht in Laboren, sondern nur in echten Werken.
Bosch hat Hunderte Fabriken weltweit. Wenn nur ein Bruchteil der Mitarbeiter Sensor-Suits trägt, generiert das mehr Trainingsdaten als jedes Robotik-Startup alleine sammeln könnte. Das ist ein struktureller Vorteil, den Startups ohne Industriepartner nicht haben.
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