China denkt in Infrastruktur. Während westliche Startups um Finanzierungsrunden kämpfen, baut Beijing eine komplette Produktionsplattform für humanoide Roboter. Das Beijing Innovation Center of Humanoid Robotics, bekannt als X-Humanoid, hat gerade eine 9.700 Quadratmeter große Pilot-Verifikationsanlage in Betrieb genommen. Der 1.000. Roboter ist bereits vom Band gerollt.
Die Plattform ist keine reine Forschungseinrichtung, sondern eine voll ausgestattete Fabrik. Sie adressiert vier Kernprobleme der Branche: fehlende professionelle Pilotservices, Lücken in der standardisierten Produktion, unvollständige Testsysteme und die fehlende Verbindung zwischen F&E und Massenproduktion.
Drei Produktionslinien bilden das Herzstück. Die erste ist eine vollständige Humanoiden-Montagelinie. Die zweite fokussiert sich auf Hochpräzisions-Gelenkfertigung, den kritischsten Engpass in der Robotik. Die dritte ist eine gemeinsam genutzte Kleinserien-Testlinie für Startups und Universitäten. Wer keinen eigenen Produktionsstandort hat, kann hier seine Prototypen validieren.
Das Serviceangebot ist umfassend: Prototyping, Leistungsvalidierung, Prozessoptimierung, funktionale Modulassemblierung, Systemintegration und finales Testing. Alles aus einer Hand.
Die technische Ausstattung
Über 500 professionelle Ausrüstungssets stehen bereit. Die jährliche Kapazität liegt bei 5.000 humanoiden Einheiten. Das klingt nach wenig im Vergleich zu Teslas Ankündigungen, aber für die aktuelle Marktphase ist es enorm. Der gesamte globale Absatz 2025 lag bei geschätzten 18.000 Einheiten.
Ein einheitliches digitales O&M-System synchronisiert Informationen, Logistik und Datenflüsse. Jeder Roboter ist von der Konstruktion bis zum finalen Test lückenlos rückverfolgbar. Das ist nicht nur Qualitätssicherung, sondern auch entscheidend für zukünftige Regulierungen und Zertifizierungen.
Die strategische Bedeutung
X-Humanoid wurde im November 2023 gegründet und hat sich auf Embodied Intelligence spezialisiert. Die hauseigenen Roboter heißen Tiangong (Embodied Tien Kung) und waren auf der CES 2026 zu sehen, wo sie autonom Teile sortierten und mit Besuchern interagierten.
Die Plattform zielt aber über die eigenen Produkte hinaus. Sie soll das “zentrale Nervensystem” des chinesischen Humanoid-Ökosystems werden. Startups, die bisher an der Produktionshürde scheiterten, bekommen hier Zugang zu industrietauglicher Fertigung. Das senkt die Einstiegsbarriere massiv.
