Asimov Inc. hat am 24. Februar ein Update gepostet, das aufhorchen lässt: Die Ganzkörper-Montage ihres Humanoiden ist fast abgeschlossen. Aktuell werden Head-Designs getestet. Der Clou: Der Kopf soll transparent werden. Nicht als Designspielerei, sondern damit man den emotionalen Zustand der KI als visuelle Ausdrücke durch die Hülle sehen kann.
Das ist ein ungewöhnlicher Ansatz. Während Tesla, Figure und Boston Dynamics ihre Technologie unter Verschluss halten, geht Asimov den entgegengesetzten Weg: alles offen. Hardware-Designs, Betriebssystem, Supply Chain.
Der Humanoid soll 1,20 Meter groß werden und weniger als 40 Kilogramm wiegen. 26 Freiheitsgrade insgesamt, davon 12 allein in den Beinen. Die Hände gibt es in verschiedenen Varianten mit drei oder vier Fingern, optimiert auf Geschicklichkeit.
Das Design in Schwarz und Kupfer sieht in den bisherigen Bildern deutlich durchdachter aus als mancher Prototyp aus chinesischen Labors. Die Beine wurden bereits als Open Source veröffentlicht, inklusive CAD-Dateien und Simulationsmodelle für die MuJoCo-Physik-Engine. Alles kompatibel mit Multi Jet Fusion 3D-Druck und Standard-Bauteilen.
Der Preis für die Beine allein liegt bei knapp über 10.000 Dollar, davon 8.500 für Aktuatoren und Gelenke. Für den kompletten Humanoiden rechnet Asimov mit unter 20.000 Dollar in Kleinserie. Das ist weniger als ein neuer Dacia.
Asimov OS: Das Gehirn
Hinter dem Projekt steht Menlo Research, und die haben nicht nur Hardware im Kopf. Das eigene Betriebssystem heißt Asimov OS und ist modular aufgebaut. Drei Kernkomponenten:
Nucleus übernimmt die Medienverarbeitung. Geschrieben in C, nutzt GStreamer für Video- und Audio-Capture und streamt per WebRTC. Link ist die Hardware-Schnittstelle, ebenfalls in C, für die direkte Kommunikation mit der Roboter-Hardware. Funktioniert bereits mit dem Unitree G1. Cortex ist für KI-Entscheidungen zuständig.
Die Weboberfläche zur Steuerung läuft auf React und Next.js. Die Kommunikation zwischen den Modulen über gRPC. Das ist eine saubere Architektur, die unabhängige Entwicklung der einzelnen Komponenten erlaubt.
Warum der transparente Kopf interessant ist
Die meisten Humanoiden haben entweder ein Display-Gesicht, ein starres Visor oder gar kein erkennbares Gesicht. Asimov geht einen anderen Weg. Durch die transparente Hülle soll sichtbar werden, was die KI gerade verarbeitet. Das adressiert ein reales Problem: Menschen vertrauen Maschinen weniger, wenn sie nicht verstehen, was in ihnen vorgeht. Das Black-Box-Problem.
Ob das in der Praxis funktioniert oder eher nach Science-Fiction-Requisite aussieht, wird sich zeigen. Aber als Designentscheidung ist es mutig. Die meisten Hersteller versuchen, ihre Roboter möglichst menschlich aussehen zu lassen. Asimov macht das Gegenteil: Die Maschine soll Maschine sein, aber eine transparente.
Open Source gegen den Rest der Welt
Asimov ist nicht das erste Open-Source-Robotik-Projekt. Beijing Humanoid hat den XR1 offengelegt. Xiaomi hat MiMo veröffentlicht. Sourccey arbeitet an einer offenen Plattform. Aber Asimov geht weiter als die meisten: Hardware, Software, Betriebssystem, alles auf GitHub. Dazu eine dezentrale Supply Chain, die es jedem ermöglichen soll, den Roboter selbst zu bauen.
Das Versprechen: Forschungslabore und kleine Startups sollen Zugang zu einem funktionsfähigen Humanoiden bekommen, ohne sechsstellige Summen ausgeben zu müssen. In einer Branche, in der selbst Basis-Plattformen oft bei 100.000 Dollar und mehr beginnen, wäre das ein erheblicher Unterschied.
XONOID Fazit
Asimov macht vieles richtig. Der Preis ist aggressiv, die Architektur durchdacht, und Open Source schafft eine Community, die proprietäre Ansätze nicht bieten können. Der transparente Kopf ist ein starkes visuelles Statement, das sofort Aufmerksamkeit erzeugt.
Aber 1,20 Meter ist klein. Für industrielle Anwendungen, bei denen man Regale erreichen oder neben Menschen arbeiten muss, könnte das zu wenig sein. Und “unter 20.000 Dollar in Kleinserie” klingt gut, bis man die tatsächlichen Kosten für Aktuatoren, Batterien und Elektronik zusammenrechnet. Bei den Beinen allein liegen schon 10.000 Dollar. Der Ganzkörper-Preis wird in der Realität vermutlich näher an der Obergrenze liegen.
Was mich überzeugt: Asimov hat einen funktionierenden Stack. Nicht nur Renderings und Versprechen, sondern veröffentlichten Code, echte CAD-Dateien und ein OS, das bereits mit existierender Hardware läuft. Das ist mehr als viele VC-finanzierte Startups vorweisen können.
Wenn sie die Montage abschließen und einen laufenden Prototypen zeigen, wird es spannend. Ein Humanoid, den sich ein Uni-Labor leisten kann und dessen Code man lesen darf, könnte mehr für die Branche tun als der nächste 500-Millionen-Dollar-Funding-Round eines geschlossenen Unternehmens.
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