Auf der AWE 2026 in Shanghai hat Haier nicht einfach einen Roboter gezeigt. Sondern eine ganze Familie. Die Haiwa-Serie umfasst spezialisierte Roboter für Reinigung, Haushaltsaufgaben und sogar einen Companion-Roboter, der als mobile Steuerzentrale für das Smart Home dient. Und mittendrin: ein radbasierter Humanoid, der Wäsche faltet, den Boden wischt und die Waschmaschine bedient.
Haier ist kein Robotik-Startup. Es ist der weltweit größte Haushaltsgeräte-Hersteller. Wenn diese Firma Humanoide baut, verfolgt sie eine andere Logik als Tesla, Figure AI oder Unitree.
Der HIVA Haiwa
Das Flaggschiff der Serie ist der HIVA Haiwa – ein 165 cm großer, 70 kg schwerer Humanoid auf Rädern statt Beinen. Haier nennt ihn den „Housework Terminator”, was als Marketing-Slogan zwar übertrieben klingt, aber die Ambitionen klar macht.
Die Eckdaten:
– 44 Freiheitsgrade insgesamt, davon 12 in den Händen
– Radbasierte Fortbewegung statt Beine – stabiler, effizienter, keine Sturzgefahr
– Reichhöhe bis 2 Meter – hoch genug für Regale und Oberschränke
– Aufgaben: Wäsche waschen, bügeln und falten. Böden wischen und saugen. Kochen (heizen, mischen, servieren). Aufräumen – der Roboter erkennt fast tausend verschiedene Haushaltsgegenstände
Der entscheidende Unterschied zu anderen Humanoiden: Haiwa ist von Anfang an in Haiers Smart-Home-Ökosystem integriert. Der Roboter steuert nicht nur sich selbst, sondern kommuniziert direkt mit der Waschmaschine, dem Kühlschrank, der Kochplatte. Das ist der Vorteil, den ein Gerätehersteller gegenüber reinen Robotik-Firmen hat.
Räder statt Beine – eine bewusste Entscheidung
Haier hat sich gegen Beine entschieden. Und das ergibt Sinn. In einer Wohnung gibt es keine Treppen, die ein Roboter zwingend laufen muss. Aufzüge und Rampen existieren. Was es gibt: glatte Böden, enge Küchen, Möbel, an denen man nicht anstoßen darf.
Räder sind leiser, brauchen weniger Energie, sind mechanisch einfacher und fallen nicht um. Für den Haushalt ist das die pragmatischere Lösung. Dieselbe Design-Philosophie wie bei Hexagon AEON (BMW Leipzig) oder Switchbots H1.
Das Haiwa-Ökosystem
Neben dem HIVA Haiwa zeigt Haier auf der AWE spezialisierte Varianten:
– Haiwa Cleaning Robot: Wechselt zwischen Saug- und Wischmodus, erkennt fast tausend Objektkategorien, räumt selbstständig auf
– Haiwa Companion Robot: Steuert das Smart Home, erinnert ältere Familienmitglieder an Medikamente, gibt Gesundheitshinweise, fungiert als mobiles Kontrollzentrum
Das ist eine interessante Strategie: Statt einen Roboter für alles zu bauen, differenziert Haier nach Anwendungsfall. Verschiedene Formfaktoren für verschiedene Bedürfnisse.
Noch nicht autonom
Aktuell wird der HIVA Haiwa per Teleoperation trainiert. Menschliche Operatoren steuern den Roboter fern, um Trainingsdaten zu sammeln. Das Ziel ist volle Autonomie durch cloudgestützte KI, aber dieser Schritt steht noch aus.
Das ist ein bekanntes Muster. Figure AI, 1X, NEURA Robotics – alle nutzen Teleoperation als Zwischenschritt zum autonomen Betrieb. Der Unterschied bei Haier: Die Einsatzumgebung ist genau definiert (Wohnung), die Aufgaben sind klar strukturiert (Hausarbeit), und die Geräte, mit denen interagiert wird, sind Haier-eigene Produkte. Das macht die KI-Aufgabe leichter als bei einem General-Purpose-Humanoiden.
