Das Startup Infiforce aus Hangzhou hat am 4. Februar 2026 seinen ersten Consumer-Roboter vorgestellt. YUANZI ist ein 95 Zentimeter kleiner Bipede, der bewusst nicht mit Geschwindigkeit oder Tragkraft punkten will. Stattdessen setzt das 2023 gegründete Unternehmen auf emotionale Intelligenz und ein Ökosystem, das mit dem Nutzer wachsen soll.
Mit seinen 95 Zentimetern entspricht YUANZI etwa der Größe eines drei- bis vierjährigen Kindes. Das ist kein Zufall. Infiforce hat die Höhe so gewählt, dass der Roboter weder einschüchternd wirkt noch sich der Besitzer ständig bücken muss. Im Sitzen trifft man YUANZI auf Augenhöhe.
Die 20 Kilogramm sind leicht genug, dass ein Erwachsener ihn problemlos tragen kann. Mit 25 Freiheitsgraden bewegt er sich flüssig, auch wenn er keine akrobatischen Stunts vollführt. Die “Smog Blue” Farbe soll bewusst wohnzimmertauglich sein.
Das Gehirn: Hyper-VLA trifft Alibaba Cloud
Unter der Haube arbeitet Infiforces eigenes “Embodied Brain”. Es kombiniert das hauseigene Hyper-VLA-Modell – ein End-to-End multimodales System – mit einem kausalen Weltmodell. 275 TOPS Edge-Computing-Leistung stehen lokal zur Verfügung, für komplexere Aufgaben ist Alibabas Qwen-Modell via Cloud angebunden.
Der Ansatz ähnelt dem, was wir bei 1X mit dem Neo sehen: Der Roboter soll nicht nur Befehle ausführen, sondern die Welt um sich herum verstehen. Welche Tasse gehört wem? Wo steht normalerweise die Fernbedienung? Solche kontextuellen Zusammenhänge soll YUANZI über Zeit lernen.
Yuanli Marketplace: Skills statt Apps
Das vielleicht interessanteste Feature ist der geplante “Yuanli Marketplace”. Eine Zero-Code-Plattform, auf der Nutzer eigene Befehle und Mini-Anwendungen erstellen und teilen können. Braucht jemand einen Roboter, der die Kinder an Hausaufgaben erinnert? Oder einen Gaming-Buddy fürs Wochenende? Die Idee ist, dass die Community diese Skills entwickelt, ohne eine Zeile Code zu schreiben.
Das erinnert an Unitrees App Store, geht aber weiter. Die Hardware ist ebenfalls modular gedacht. Hände und andere Komponenten lassen sich austauschen oder per 3D-Druck selbst gestalten. OTA-Updates halten die Software aktuell. Infiforce nennt das Konzept “mitwachsend” – der Roboter soll sich an veränderte Familiensituationen anpassen können.
Mehr als ein Consumer-Spielzeug
Bei aller Fokussierung auf den Heimmarkt hat Infiforce auch B2B im Blick. Das Unternehmen spricht von Aufträgen über rund 500 Millionen Yuan, also umgerechnet etwa 71 Millionen Dollar, aus dem Automobil- und Gesundheitssektor. Neben YUANZI gibt es noch die AstroDroid-Serie für industrielle Anwendungen und FORCE, einen autonomen mobilen Laderoboter.
Am Launch-Tag verzeichnete Infiforce über 100 Vorbestellungen für YUANZI. Der Roboter ist bereits auf JD.com gelistet, konkrete Preise wurden bisher nicht kommuniziert.
XONOID Fazit
YUANZI reiht sich in eine wachsende Kategorie von Heimrobotern ein, die weniger auf rohe Leistung setzen als auf Persönlichkeit. Zeroth mit Jupiter und M1, 1X mit Neo, jetzt Infiforce. Der Trend geht weg von “was kann der Roboter?” hin zu “wie fühlt sich die Interaktion an?”.
Das Yuanli-Marketplace-Konzept finde ich spannend. Wenn Infiforce es schafft, eine aktive Community aufzubauen, könnte das YUANZI von anderen Heimrobotern abheben. Ein Roboter, dessen Fähigkeiten durch Nutzer erweitert werden, ist langfristig interessanter als einer, der nur macht, was der Hersteller programmiert hat.
Die Frage bleibt, ob die Technik hält, was das Marketing verspricht. “Mind-native” und “Truly Understands Me” sind Begriffe, die leicht auf Folien geschrieben und schwer in der Praxis bewiesen sind. Immerhin zeigt das B2B-Geschäft, dass Infiforce nicht nur auf Consumer-Hype setzt. Unternehmen wie Autohersteller kaufen nicht auf Basis von Imagevideos.
Was mich neugierig macht: Infiforce ist erst 2023 gegründet und hat bereits ein komplettes Produktportfolio plus signifikante Industrieaufträge. Das spricht entweder für ein sehr starkes Team – laut Unternehmen haben über 75 Prozent Master- oder Doktortitel – oder für die chinesische Geschwindigkeit bei Hardware-Startups. Wahrscheinlich beides.
Quelle:
PanDaily – RoboHub auf X
