Nach zwei Jahren Stealth-Entwicklung im New Yorker Flatiron District hat Fauna Robotics seinen ersten humanoiden Roboter vorgestellt. Sprout ist 107 Zentimeter groß, wiegt knapp 23 Kilo und kostet 50.000 Dollar. Die ersten Kunden lesen sich wie ein Who’s Who der Branche.
Ein Humanoid für Menschen, nicht für Fabriken
Sprout unterscheidet sich grundlegend von den meisten Humanoiden auf dem Markt. Während Tesla, Figure und Co. auf industrielle Anwendungen setzen, will Fauna Robotics in Räume, die Menschen bewohnen. Wohnungen, Schulen, Lobbys, Themenparks. Der Roboter trägt eine weiche, salbeigrüne Schaumstoffhülle, hat keine freiliegenden Gelenke und reagiert auf Berührung nachgiebig. Das Designziel ist klar: niemand soll Angst vor der Maschine haben.

Die Inspiration kommt aus Hollywood. Fauna-Gründer Josh Merel und Rob Cochran nennen WALL-E und Baymax als Vorbilder. Sprout hat artikulierte Augenbrauen und ein 360-Grad-LED-Gesicht, das Emotionen wie Neugier oder Verwirrung darstellen kann. Das ist kein Gimmick, sondern zentral für die geplanten Einsatzszenarien.
Die technische Basis
Unter der freundlichen Hülle steckt ernstzunehmende Hardware. Ein NVIDIA Jetson AGX Orin mit 64 GB RAM und einem Terabyte SSD-Speicher liefert die Rechenleistung. Für die Wahrnehmung sorgen eine ZED 2i Stereokamera und vier Time-of-Flight-Sensoren. Die Arme haben sechs Freiheitsgrade, die Beine fünf. Der Akku ist wechselbar und hält drei bis dreieinhalb Stunden.
Was mich interessiert, ist die Balance-Recovery-Technologie. Fauna verspricht, dass Sprout Stürze abfangen kann, bevor er umfällt. Für einen Roboter, der in Haushalten und Schulen arbeiten soll, ist das keine Spielerei, sondern Grundvoraussetzung. Niemand will einen Humanoiden, der bei jeder Unebenheit umkippt.
Starke Erstkundenliste
Disney, Boston Dynamics, UC San Diego und NYU gehören zu den ersten Abnehmern. Die Bandbreite sagt viel über die Positionierung aus. Disney testet Entertainment-Anwendungen, Boston Dynamics nutzt die Plattform vermutlich für Forschungszwecke, die Universitäten arbeiten an Lokomotion und Human-Robot-Interaction.
Mich überrascht Boston Dynamics auf der Liste. Das Unternehmen baut selbst humanoide Roboter und kauft normalerweise nicht bei Startups ein. Entweder suchen sie nach einer kostengünstigen Testplattform für spezifische Experimente, oder sie wollen sehen, was die Konkurrenz macht. Beides wäre nachvollziehbar.
Entwicklerplattform statt fertiges Produkt
Fauna vermarktet Sprout als Developer-Ready-Plattform, nicht als schlüsselfertigen Assistenten. Das SDK ermöglicht eigene Anwendungen, die Integration mit Large Language Models ist vorbereitet. Telepräsenz per VR-Headset, Controller oder Smartphone-App ist bereits möglich. Die Steuerung per Gaming-Controller ist ein cleverer Schachzug. Entwickler können sofort loslegen, ohne komplexe Robotik-Expertise. Für die Datensammlung dürfte das entscheidend sein. Je einfacher die Bedienung, desto mehr Training-Daten landen im System.
XONOID Fazit
Fauna Robotics wählt eine interessante Nische. Während alle auf den Fabrikarbeiter der Zukunft setzen, baut das Team aus Manhattan einen Roboter für soziale Interaktion. 107 Zentimeter Höhe, weiche Oberfläche, freundliches Gesicht. Das ist bewusst kindgerecht, bewusst nicht einschüchternd.
Der Preis von 50.000 Dollar klingt hoch für einen Heimroboter, ist aber niedrig für eine Forschungsplattform. Ein Spot von Boston Dynamics kostet das Anderthalbfache, ohne Arme und mit deutlich aggressiverer Optik. Für Universitäten und Unternehmen, die Human-Robot-Interaction erforschen wollen, dürfte Sprout attraktiv sein.

Die Meta- und Google-Herkunft der Gründer erklärt den Fokus auf Software und AI-Integration. Josh Merel als CTO bringt Machine-Learning-Expertise mit, Rob Cochran als CEO die unternehmerische Erfahrung. Mit 30 Millionen Dollar Funding haben sie genug Kapital, um die nächsten Entwicklungsschritte zu finanzieren.
Ob Sprout jemals in deutschen Wohnzimmern stehen wird, bezweifle ich. Aber darum geht es Fauna vorerst nicht. Sie bauen eine Plattform für Entwickler und Forscher, die an der nächsten Generation sozialer Roboter arbeiten. In dieser Nische könnte das NYC-Startup tatsächlich relevant werden.
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