Deutschland wird zum Testlabor für britische Humanoide. Das Startup Humanoid hat innerhalb weniger Wochen gleich zwei Proof of Concepts mit deutschen Industriegrößen abgeschlossen. Erst Siemens in Erlangen, jetzt Ford in Köln. Und die Ergebnisse übertreffen offenbar die Erwartungen.
Ford Köln: Sechs Wochen echte Autoproduktion
Der neuere und beeindruckendere Einsatz fand im Ford-Werk Köln statt. Der HMND 01 arbeitete dort sechs Wochen durchgehend in der laufenden Produktion. Keine Demo, kein Showroom, sondern echte Karosserieteile.
Die gemeldeten Zahlen sind beachtlich. 97% Zuverlässigkeit bei der autonomen Handhabung von Transportbehältern, eine Stunde am Stück ohne Fehler. Der Roboter übertraf die Erwartungen um 60% bei der Anzahl abgeschlossener Aktionen.
Besonders interessant ist, was Humanoid betont: keine Teleoperation, keine QR-Codes. Der HMND 01 orientierte sich ausschließlich über visuelle Wahrnehmung. Das unterscheidet ihn von vielen industriellen Automatisierungslösungen, die auf vorinstallierte Marker angewiesen sind.
Die Aufgabe selbst war anspruchsvoll. Dual-Arm-Manipulation von großen Metallkarosserieteilen. Das sind schwere, unhandliche Objekte mit komplexen Geometrien. Wer schon mal versucht hat, eine Autotür zu tragen, weiß, warum das keine triviale Robotikaufgabe ist.
Siemens Erlangen: Der erste Validierungspunkt
Einige Wochen zuvor, Mitte Januar, hatte Humanoid bereits einen zweiwöchigen Test bei Siemens in Erlangen absolviert. Die Siemens Electronics Factory stellte eine klassische Logistikaufgabe: Tote-to-Conveyor Destacking. Behälter von Stapeln nehmen, aufs Förderband legen.
Der HMND 01 Alpha schaffte dort durchschnittlich 60 Behälterbewegungen pro Stunde. Über 30 Minuten kontinuierlicher autonomer Betrieb ohne menschlichen Eingriff. Über 90% Erfolgsrate bei Pick-and-Place. Insgesamt lief der Roboter mehr als 8 Stunden im Einsatz.
Für einen Humanoiden in einer echten Fabrik mit echten Unregelmäßigkeiten sind das solide Werte. Ein Mensch schafft vielleicht 80 oder 100 Bewegungen pro Stunde, braucht aber Pausen. Der Roboter könnte theoretisch rund um die Uhr arbeiten.
Der HMND 01
Das Unternehmen wurde 2024 von Artem Sokolov gegründet und baut auf Nvidia-Technologie. Isaac Sim für die Simulation, Jetson Thor für Edge Computing. Die gesamte Entwicklung lief über digitale Zwillinge, bevor physische Prototypen entstanden.

Wir berichteten bereits über die CES-Demo am Schaeffler-Stand und die strategische Partnerschaft mit Schaeffler. Die deutschen POCs sind der nächste logische Schritt.
XONOID Fazit
Was Humanoid hier macht, ist clever. Statt einen Roboter zu bauen und dann Kunden zu suchen, validieren sie systematisch in echten Fabriken. Siemens, Ford, dazu die Schaeffler-Partnerschaft. Das ist kein Zufall, sondern Strategie. Die Zahlen aus Köln sind besonders bemerkenswert. Sechs Wochen bei Ford, 97% Zuverlässigkeit, 60% über Erwartung. Das sind keine Laborwerte, das ist Produktionsrealität. Und die Betonung auf reine visuelle Wahrnehmung ohne Marker zeigt, dass der Roboter flexibel genug für wechselnde Umgebungen ist.
Deutschland wird gerade zum europäischen Testfeld für Humanoide. Schaeffler, Siemens, Ford, dazu die Bosch-NEURA Partnerschaft. Die hiesige Industrie nimmt das Thema ernst, und britische wie deutsche Startups profitieren davon.
Quelle
