Auf der CES 2026 stand am Schaeffler-Stand ein 2,20 Meter großer Humanoid und sortierte Kugellager. Keine Demo-Umgebung, keine vereinfachte Aufgabe. Der HMND 01 Alpha des britischen Startups Humanoid griff unsortierte Kugellager aus Kisten und legte sie präzise auf einem Tisch ab. Im Dezember hatten wir über das Weihnachtsvideo berichtet, in dem der Roboter lernte, Geschenke zu verpacken.
Sieben Monate Entwicklung
Humanoid wurde 2024 von Artem Sokolov gegründet, und sieben Monate später hatten sie einen funktionierenden Industrie-Humanoiden, was absurd schnell für Hardware dieser Komplexität ist.
Das Startup hat 50 Millionen Dollar an Founder-gesteuertem Kapital und ein 200-köpfiges Team. Die Mitarbeiter kommen von Apple, Tesla, Google, Boston Dynamics, Sanctuary AI und Nvidia, was erklärt, wie sie so schnell liefern konnten.
Der eigentliche Beschleuniger ist die Entwicklungsstrategie. Humanoid hat fast alles zuerst virtuell gebaut, Hardware inklusive. Nvidia Isaac Sim als digitaler Zwilling, Isaac Lab für Reinforcement Learning. Die physischen Prototypen kamen erst, als alles in der Simulation lief. Das spart Zeit und teure Fehler.
Die Spezifikationen
Der HMND 01 Alpha ist ein Humanoid auf Rädern:
- Höhe: 220 cm
- Freiheitsgrade: 29 aktiv
- Max. Geschwindigkeit: bis zu 7,2 km/h
- Traglast: 15 kg bimanual

Am Kopf sitzen 360-Grad-RGB-Kameras sowie zwei Tiefensensoren, ausgelegt für Wahrnehmung in unübersichtlichen Industrieumgebungen. Als Recheneinheit dient ein Nvidia Jetson Thor, der fortgeschrittene Robotik-KI-Modelle direkt auf dem Gerät ausführt.
Für Forschungszwecke existiert auch eine Version mit Beinen. Für industrielle Anwendungen setzt Humanoid jedoch bewusst auf Räder, denn das macht ihn nicht nur stabiler, schneller und wartungsärmer, sondern auch deutlich einfacher in bestehende Produktionsumgebungen integrierbar. Der humanoide Oberkörper sitzt dabei auf einer omnidirektionalen Mobilplattform, die Drehungen auf der Stelle sowie präzise 360-Grad-Bewegungen erlaubt.
Die Schaeffler-Partnerschaft
Schaeffler ist ein deutscher Zulieferer mit globalen Fertigungsstandorten. Sie haben bereits einen Proof-of-Concept mit einem “Pre-Alpha” Modell von Humanoid durchgeführt. Die Vorführung in Las Vegas markiert Phase zwei dieser Zusammenarbeit.
Schaeffler plant humanoide Roboter perspektivisch über mehrere Produktionsstandorte hinweg einzusetzen.. Wenn ein Zulieferer wie Schaeffler so früh einsteigt, ist das ein klares Signal, denn sie wissen was in ihren Fabriken funktioniert und was nicht.
Klar ist auch die Roadmap: Alpha ist der aktuelle Prototyp, Beta wird kompakter und produktionsnäher, Gamma ist die Serienproduktion. Schaeffler testet jetzt, um bei Gamma bereit zu sein.
20.500 Vorbestellungen
Humanoid meldet 20.500 Pre-Orders für den HMND 01 Alpha. Das ist eine beachtliche Zahl für einen Humanoiden, der gerade erst das Prototypen-Stadium verlässt. Die meisten Humanoid-Startups haben mit etwas Glück zu diesem Zeitpunkt vielleicht eine Handvoll Pilotprojekte. Gleichzeitig gilt: Vorbestellungen sind kein Ersatz für Serienreife. Entscheidend wird sein, ob Humanoid den Übergang von der beeindruckenden Demo zur robusten Daueranwendung schafft.
