Ein deutsches Unternehmen auf der CES-Bühne, mit einem Humanoid, designt von den Machern des Porsche 911. NEURA Robotics aus Metzingen zeigt, dass Europa im Humanoid-Rennen mitspielen kann.
Das Unternehmen wurde erst 2019 gegründet und hat in wenigen Jahren eine vollständige Produktpalette aufgebaut. Kognitive Roboterarme, autonome mobile Roboter und Humanoide. CEO David Reger hat das Unternehmen mit einer klaren Vision gestartet: Roboter die nicht nur arbeiten, sondern verstehen.
Was NEURA zeigt
4NE1 Gen 3 / 3.5 (ausgesprochen “for anyone”) ist die neue Generation des Humanoid. 180 cm groß, 80 kg schwer, 55 Freiheitsgrade insgesamt. Er läuft mit 5 km/h, trägt zwischen 10 und 100 kg Nutzlast (je nach Konfiguration und Aufgabe) und hat eine berührungsempfindliche Sensorhaut am ganzen Körper. Die Unterarme sind austauschbar und je nach Aufgabe können unterschiedliche Endeffektoren (also Werkzeuge / Greifer / Hände) montiert werden. Das Design kommt von Studio F.A. Porsche. Richtig, den Leuten, die für das Design des 911 verantwortlich sind.
4NE1 Mini ist die kompakte Variante. 132 cm groß, gedacht für Klassenzimmer, Labore, Prototyping und Entertainment. Es gibt zwei Versionen: Standard für €19.999 ohne Manipulationshände, und Pro für €29.999 mit 12 DoF Händen. Beide kommen mit voller Neuraverse-Integration, ROS 2-Interface und Python SDK. Die Pro-Version bietet zusätzlich Teleoperation und Zugang zum digitalen Zwilling. Lieferung ab April 2026.
NEURA Quadruped ist ein vierbeiniger Roboter für schwieriges Terrain. Unter einem Meter hoch, 22 kg Nutzlast, Multisensor-Fusion, 360-Grad-Umgebungserkennung.

Haushaltsroboter MiPA
Außerdem zeigt NEURA auch MiPA auf der CES, den “My intelligent Personal Assistant”. Das ist kein Humanoid, sondern ein Haushaltsroboter auf Rädern. Er soll und kann unter anderem staubsaugen, den Geschirrspüler ausräumen, aufräumen und Gesundheitsdaten erfassen. David Reger hat klare Ambitionen – 5 Millionen Roboter bis 2030. NEURA liefert bereits entsprechende Modelle für den Haushalt an eine ausgewählte Gruppe, mit Fokus auf Altenpflege. Reger erwartet eine “signifikante Zunahme von Haushaltsrobotern in den nächsten drei Jahren“. Auf der CES hielt er heute zudem einen Vortrag mit dem Titel “Not Quite Human: How Humanoids Are Changing Work and Home Life“. NEURA denkt also nicht nur Fabrik, sondern auch Wohnzimmer.
Neuraverse
Das Neuraverse ist ihr Ökosystem für kollektives Lernen. Wenn ein Roboter eine Aufgabe beherrscht, steht diese Fähigkeit sofort allen anderen Robotern im Netzwerk zur Verfügung. Das geht weiter als klassische Cloud-Robotik, denn NEURA öffnet die Plattform für externe Entwickler. Skills und Anwendungen können veröffentlicht, geteilt und monetarisiert werden. Ein App Store für Roboter wenn man so will.
David Reger formuliert es so:
Die Welt bereitet sich auf Roboter vor, gleichzeitig brauchen Roboter eine Welt, die auf sie vorbereitet ist.
NVIDIA-Integration
NEURA baut bei seinen Humanoiden auf NVIDIA Project GR00T sowie Isaac Lab und Isaac Sim auf. Das ist strategisch clever, denn NEURA bekommt Zugang zum neuesten Stand der KI-Technik, ohne alles selbst entwickeln zu müssen. Gleichzeitig bekommt NVIDIA einen der stärksten europäischen Hersteller im Humanoid-Bereich. Auf der CES trat Spencer Huang von NVIDIA am NEURA-Stand auf, was die enge Zusammenarbeit untermalt.
XONOID-Fazit
NEURA zeigt, dass Europa bei Humanoiden ganz vorne mitspielen kann. Das Porsche-Design ist mehr als Ästhetik und persönlich finde ich, dass der 4NE1 verdammt gut aussieht. MiPa ist jetzt “nicht so ganz meins”, aber ich bin zuversichtlich, dass wir den 4NE1, welche Generation es dann auch immer sein mag, in einigen Jahren durch unser Wohnzimmer laufen sehen. Es zeigt zumindest, dass hier jemand an Massenakzeptanz denkt, nicht nur an Technik-Demos für Investoren. Wenn Roboter in unsere Welt kommen sollen, müssen sie aussehen, als gehörten sie dorthin. NEURA zeigt, dass “Made in Germany” bei Humanoiden funktionieren kann.
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