Mit Motion 2 zeigt VinMotion, eine Tochter des Mischkonzerns Vingroup, einen humanoiden Roboter, der nicht als Konzeptmodell gedacht ist, sondern als Arbeitsgerät für Fabriken und Lagerhallen.
Es ist ein leiser, aber bemerkenswerter Schritt. Während sich der Humanoid-Diskurs meist zwischen China und den USA abspielt, baut Vietnam im Hintergrund eine eigene Robotik-Ambition auf.
In veröffentlichten Videos zeigt Motion 2 einen stabileren Gang, bessere Balance und deutlich mehr Kontrolle bei Gewichtsverlagerungen als sein Vorgänger Motion 1. Er kann sich stark nach hinten neigen, ohne zu kippen, und steht nach einem Sturz selbstständig wieder auf. Das sind keine spektakulären Bewegungen, aber genau die Fähigkeiten, die im industriellen Alltag zählen.
Mit einer angegebenen Traglast von bis zu 40 Kilogramm bewegt sich Motion 2 klar im industriellen Bereich. Das entspricht typischen Logistik-Lasten oder Werkstücken in der Fertigung. Entscheidend ist dabei weniger die absolute Zahl als die Kombination mit einem weiteren Feature: Motion 2 kann seinen Akku autonom wechseln. Kein Andocken für Stunden, kein Stillstand. Somit ist theoretisch ein 24/7-Betrieb möglich.

Viele Humanoiden scheitern nicht an der KI, sondern an der Praxis. Ein Roboter, der regelmäßig aus dem Takt fällt, lädt oder manuell gewartet werden muss, ist für den industriellen Einsatz wertlos. Autonomer Akkuwechsel ist deshalb kein nettes Extra, sondern eine Grundvoraussetzung, wenn Humanoide Schichtarbeit leisten sollen.
Vingroup als stiller Enabler
Hinter VinMotion steht Phạm Nhật Vượng, Vietnams reichster Unternehmer und Gründer von Vingroup. Der Konzern ist breit aufgestellt: VinFast baut Elektroautos und verkauft sie bereits teilweise auch in Europa und den USA, VinBrain entwickelt medizinische KI, andere Sparten reichen von Immobilien bis zu Retail.
VinMotion wurde erst im Januar 2025 gegründet. Dass ein Jahr später ein funktionierender Humanoid der zweiten Generation gezeigt wird, ist entweder außergewöhnlich schnell oder ein Hinweis darauf, dass viel auf bestehender Technologie aufbaut und intern stark integriert wurde. Wahrscheinlich beides.
Der große Vorteil von Vingroup liegt auf der Hand: eigene Fabriken. Motion 2 soll zunächst nicht verkauft werden, sondern in VinFast-Produktionsstätten arbeiten. Materialtransport, visuelle Inspektion, einfache Montageunterstützung und Lagerlogistik. Keine externen Kunden, keine Marketing-Versprechen. Das ist eine kluge Strategie. Wer eigene Industrie besitzt, kann Roboter entwickeln, ohne sie sofort rechtfertigen zu müssen.
Blick Richtung CES 2026
VinMotion plant, Fortschritte rund um Motion 2 im Umfeld der CES 2026 zu zeigen. Ob der Roboter live ausgestellt wird, ist noch offen. Sollte das passieren, wäre Vietnam eines der wenigen Länder außerhalb der USA und Chinas mit einem eigenen industriellen Humanoiden auf der größten Tech-Messe der Welt.
Meine Einschätzung
Motion 2 ist ein ernst gemeinter Versuch, Humanoide als industrielles Werkzeug zu etablieren, getragen von einem Konzern, der Kapital, Fabriken und Geduld mitbringt.
Ein Jahr Entwicklungszeit ist extrem kurz. Entweder ist Motion 2 weniger eigenständig als er wirkt, oder VinMotion arbeitet mit beeindruckender Geschwindigkeit. Beides wäre relevant. Die Fabrik-First-Strategie ergibt Sinn. Wer Elektroautos baut, braucht Menschen. Wer keine Menschen findet, baut Roboter. Vingroup schließt diesen Kreis konsequent.
Das auffälligste Feature bleibt der autonome Akkuwechsel. Wenn er zuverlässig funktioniert, ist Motion 2 näher an realer industrieller Nutzung als viele westliche Humanoid-Projekte, die noch immer an Ladezyklen scheitern.
Vietnam ist kein Robotik-Leichtgewicht mehr. Und Vingroup ist kein Konzern, den man unterschätzen sollte. Motion 2 könnte der Anfang sein. Nicht unbedingt eines globalen Durchbruchs, aber einer eigenen, regionalen Robotik-Industrie.
Quelle
VinMotion RoboHub