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    Editorial

    Robotik 2025: Das Jahr, in dem die Humanoiden aufstanden

    Steffen WansorSteffen WansorDezember 29, 20254 Minuten Lesezeit
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    ANALYSE / KOMMENTAR · Jahresrückblick

    Es gibt Jahre, in denen sich technologische Entwicklungen langsam und fast unbemerkt verschieben. Und es gibt Jahre, die sich im Rückblick wie ein Kipppunkt anfühlen. 2025 war so ein Jahr für humanoide Robotik.

    Nicht, weil plötzlich perfekte Roboter durch Wohnungen liefen. Sondern weil sich etwas Entscheidendes verändert hat: Humanoide haben den Status von Forschungsobjekten verloren. Sie sind zu Produkten, Plattformen und Geschäftsmodellen geworden. Zum ersten Mal nicht nur in Videos, sondern in Fabriken, Lagerhallen und Entwickler-Setups weltweit.

    Die neue Realität hinter den Schlagzeilen

    Noch Anfang 2024 wirkten humanoide Roboter wie ein ambitioniertes Zukunftsversprechen. Ende 2025 sprechen wir über Milliardenbewertungen, Serienfertigung, globale Lieferketten und reale Einsätze. Das Narrativ hat sich von „Was wäre möglich?“ zu „Wer skaliert zuerst?” verschoben.

    Figure AI erreichte eine Bewertung von 39 Milliarden Dollar. Apptronik folgte mit fünf Milliarden. Unitree verschickte seinen G1 weltweit an Entwickler, zu einem Preis, der vor zwei Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Und Boston Dynamics verabschiedete sich still und leise von der Ära der viralen Stunt-Videos.

    2025 war kein Jahr der Perfektion. Aber es war das Jahr der Ernsthaftigkeit.

    Q1: Die CES und das Ende der Ausreden

    Die CES 2025 in Las Vegas war der erste Moment, in dem klar wurde: Humanoide sind kein Randthema mehr. Unitree dominierte die Messe nicht durch spektakuläre Visionen, sondern durch etwas viel Gefährlicheres für die Konkurrenz, nämlich Preis und Verfügbarkeit.

    Der G1 war nicht der beste Roboter der Welt. Aber er war der erste, den Entwickler tatsächlich bestellen konnten. Während andere noch Demo-Videos zeigten, lieferte Unitree Hardware aus. Das setzte einen neuen Referenzpunkt für die Branche.

    Fast zeitgleich bestätigte Tesla, dass Optimus Gen 2 in ausgewählten Bereichen der Gigafactories produktiv arbeitet. Keine PR-Show, kein Bühnenauftritt, sondern Logistik, Transport und visuelle Inspektion.

    Und währenddessen verdichteten sich die Gerüchte um Figure AI. Die kolportierten Zahlen klangen absurd. Rückblickend waren sie konservativ.

    Q2: Die stille Revolution der Modelle

    Im Frühjahr verlagerte sich der Fokus weg von Hardware hin zu Intelligenz. Auf der ICRA 2025 wurde ein Begriff endgültig salonfähig: Large Behavior Models.

    Nach LLMs und VLMs ging es plötzlich nicht mehr nur darum, Sprache oder Bilder zu verstehen, sondern Verhalten selbst zu modellieren. Roboter sollten nicht länger Schritt für Schritt programmiert werden, sondern Aufgaben als Ganzes begreifen.

    Parallel dazu gab es massive Fortschritte bei taktiler Sensorik. Roboter lernten, fragile Objekte nicht nur zu greifen, sondern zu verstehen. Kräfte wurden nicht mehr vorab definiert, sondern in Echtzeit gelernt. Für Haushalts- und Service-Robotik ein entscheidender Schritt.

    China nutzte diese Phase konsequent. Fourier sicherte sich über 100 Millionen Dollar für die Vorbereitung der Massenproduktion. .

    Q3: Das Jahr der Bewertungen

    Der September markierte den vielleicht symbolträchtigsten Moment des Jahres. Figure AI schloss offiziell seine Series-C-Runde ab. Über eine Milliarde Dollar frisches Kapital, 39 Milliarden Dollar Bewertung. Ein Rekord. Und zwar nicht nur für Robotik, sondern für Hardware-Startups insgesamt.

    Kurz darauf folgte Apptronik. Fünf Milliarden Dollar Bewertung, gestützt auf reale Pilotprogramme in Logistikzentren. Keine humanoiden Butler, sondern Roboter, die schlicht funktionierten.

    Und während Investoren diskutierten, tat Unitree etwas viel Bodenständigeres: Sie verschickten tausende G1-Einheiten weltweit. Entwickler begannen, eigene Modelle, Skills und Trainingsdaten aufzubauen. Zum ersten Mal entstand eine echte Humanoid-Community außerhalb von Forschungslabors.

    Q4: Der Ton wird ruhiger und ernster

    Die IROS 2025 machte deutlich, was sich bereits abgezeichnet hatte: China dominiert die Hardware-Seite. Motoren, Sensoren, Fertigung – schneller, günstiger, skalierbarer.

    Europa setzte andere Akzente. Agile Robots brachte den Agile ONE auf den Markt, hochpräzise, industriell, kompromisslos auf Qualität ausgelegt. Großbritannien präsentierte mit HMND 01 einen Industrie-Humanoiden, der in Echtzeit lernt und Weihnachtsgeschenke verpackt, nicht als Gag, sondern als Demonstration feinmotorischer Fähigkeiten.

    Boston Dynamics schließlich lieferte vielleicht das subtilste Statement des Jahres. Kein Parkour, keine Backflips. Atlas sitzt im Wohnzimmer, hebt ein Glas, während Spot es ihm reicht. Teleoperiert, ehrlich, ruhig. Fast menschlich.

    Die Botschaft war klar: Die Show ist vorbei. Jetzt geht es um Alltag.

    Haushalts-Humanoide schafften noch keinen Durchbruch im Consumer-Markt. Vollautonome Systeme blieben die Ausnahme. Teleoperation erwies sich oft als realistischer Zwischenschritt. Zwar weniger glamourös, aber funktional. Und doch war 2025 kein enttäuschendes Jahr. Es war das Jahr, in dem die Branche erwachsen wurde.

    Was 2025 wirklich bedeutet

    Rückblickend war 2025 kein Jahr der fertigen Produkte, sondern der Infrastruktur. Das Geld ist investiert, die Modelle existieren, die Lieferketten stehen. Erste Einsätze haben gezeigt, dass Humanoide wirtschaftlich sinnvoll sein können, zumindest in klar definierten Szenarien.

    2026 wird kein Science-Fiction-Jahr. Aber es wird das Jahr der Skalierung. Der Moment, in dem sich entscheidet, wer liefern kann und wer nur gut erzählt.

    Vielleicht fehlt noch das „iPhone-Moment“ der Robotik. Aber nach 2025 ist klar, dass es nicht mehr weit entfernt ist.

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    Steffen Wansor

      Sci-Fi hat mich früh geprägt. Nicht als Spektakel, sondern als Idee vom Alltag mit Maschinen. Auf XONOID schreibe ich über Heimroboter, KI und die leise Zukunft dazwischen.

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